Scheitern  der  Werbunren  ın  Polen

mußten  —  wir  durften  auch  nicht  übersehen,  daß  Polen,
das  für  Österreich  abseits  seiner  Etappenstraßen  lag,  für
uns  Etappengebiet  war,  das,  solange  der  Krieg  mit  Rußland
  dauerte,  im  Interesse  des  Zentrums  unserer  Ostfront
unter  allen  Umständen  fest  in  unserer  Hand  bleiben  mußte:
wir  durften  ebensowenig  übersehen,  daß  die  Gesinnung  der
Polen  gegenüber  ihren  deutschen  ‚‚Befreiern‘‘  auch  nach
der  Zwei-Kaiser-Proklamation  keineswegs  eine  solche  war,
daß  wir  unser  Haupt  ruhig  in  ihren  Schoß  legen  konnten.
Die  Werbung  des  Generals  von  Beseler  war  mehr  als  kläglich
  gescheitert;  die  große  Masse  der  polnischen  Bevölkerung
  sah  in  uns  nach  wie  vor  den  Feind.

Trotzdem  fand  das  polnische  und  österreichische  Drängen
auf  einen  beschleunigten  Ausbau  des  polnischen  Staates
im  deutschen  Reichstag  eifrige  Befürworter.  Im  August
1917,  in  einem  Augenblick,  in  dem  der  polnische  Staatsrat
sich  demonstrativ  aufgelöst  hatte,  weil  die  zu  mehr  als
drei  Vierteln  aus  österreichischen  Staatsangehörigen  bestehende
  ‚Polnische  Legion‘  Befehl  zum  Abmarsch  an
die  russische  Front  erhalten  hatte,  brachten  Zentrum,
Freisinnige  und  Sozialdemokraten  im  Hauptausschuß  des
Reichstags  einen  Antrag  ein,  der  u.  a.  die  sofortige
Schaffung  eines  polnischen  Ministeriums  und  die  unverzügliche
  Umwandlung  des  Staatsrates  in  eine  Volksvertretung
verlangte.  Einer  der  Herren  Antragsteller  verlangte  in
seiner  Begründung  sogar  die  Übertragung  der  Polizei  an
die  Polen;  ein  anderer,  der  heute  ein  hohes  Staatsamt

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