Kriegsmüdigkeit  in  Österreich-Ungarn

die  zunehmende  Kriegsmüdigkeit  unseres  Verbündeten.
Die  Völker  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie  litten
infolge  der  laxeren  Verwaltung  und  schlechteren  Organisation
  noch  stärker  unter  dem  Druck  des  Krieges  als  das
deutsche  Volk.  Ihre  moralische  Widerstandskraft  gegen  -
über  diesem  Druck  war  geringer;  denn  für  den  Tschechen,
Polen,  Slowaken,  Rumänen  war  der  Krieg  nicht,  wie  für
das  deutsche  Volk,  ein  Kampf  um  das  nationale  Dasein.
Dazu  kam  für  die  leitenden  Kreise  der  Monarchie  zweifellos
das  durch  die  Entwicklung  des  Krieges  ausgelöste
drückende  Gefühl  der  Abhängigkeit  von  Deutschland.
Der  durch  den  U-Bootkrieg  veranlaßte  Eintritt  Amerikas
in  den  Kampf  gegen  die  Mittelmächte,  ferner  die  russische
  Revolution,  die  auf  die  österreichischen  Slawen  unmittelbarer
  einwirkte  als  auf  die  deutschen  Massen,
mußten  die  Kriegsmüdigkeit  unseres  Bundesgenossen
noch  steigern.

Gegen  Ende  März  1917  war  Graf  Czernin  für  zwei  Tage
in  Berlin.  Er  sprach  bei  dieser  Gelegenheit  sehr  offen
aus,  daß  Österreich-Ungarn  den  Krieg  nicht  mehr  lange
werde  fortsetzen  können;  ein  weiterer  Winterfeldzug  sei
jedenfalls  eine  Unmöglichkeit.

In  den  ersten  Apriltagen  kam  Graf  Czernin  in  Begleitung
des  Kaisers  Karl  und  der  Kaiserin  Zita  nach  dem  deutschen
Hauptquartier,  wohin  sich  auch  der  Kanzler  und  der  Staatssekretär
  Zimmermann  begaben.  Kaiser  Karl  gab  eine  ähnliche
  Schilderung  der  Lage,  wie  sie  Graf  Czernin  in  Berlin

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