Verfall  des  Burgfriedens

„Es  gilt,  die  Kultur  und  die  Unabhängigkeit  des  eigenen
Landes  sicherzustellen.  Da  machen  wir  wahr,  was  wir
immer  betont  haben:  Wir  lassen  in  der  Stunde  der  Gefahr
das  eigene  Vaterland  nicht  im  Stich.“

“Der  Kriegskredit  und  alle  Kriegsgesetze  wurden  in  jener
Reichstagssitzung  einstimmig  angenommen.

Der  große  Aufschwung  vaterländischer  Gesinnung  verlor
  jedoch  mit  der  Dauer  des  Krieges  an  Kraft.  Die
Enttäuschung  der  Hoffnungen  auf  ein  rasches  und  gutes
Ende  des  Krieges,  die  schweren  Verluste,  von  denen  kaum
eine  Familie  verschont  blieb,  die  Vernichtung  zahlreicher
Existenzen,  die  wachsenden  Schwierigkeiten  der  Volksernährung,
  der  Druck  des  Belagerungszustandes  —  das
alles  wirkte  zusammen,  um  die  Geschlossenheit  der  ‚inneren
Front‘  zu  lockern.

Als  der  Reichstag  am  10.  März  1915  den  Etat  für  1915
und  den  dritten  Kriegskredit  beriet,  da  kündigte  die
Sozialdemokratie  bereits  eine  Reihe  politischer  Forderungen
an;  es  kam  auch  aus  Anlaß  einer  Rede  des  Abgeordneten
Ledebour  zu  einem  heftigen  Auftritt.  Aber  Etat  und
Kriegskredit  wurden  schließlich  dieses  Mal  noch  ohne
Widerspruch  angenommen.

Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  vom  Bundesratstisch  aus
zum  erstenmal  das  Wort  ‚Neuorientierung‘  ausgesprochen.
Gegenüber  den  aus  dem  Hause  geäußerten  Wünschen  nach
politischen  Reformen  führte  mein  Vorgänger  im  Reıchsamt
  des  Innern,  der  Staatssekretär  Delbrück,  aus,  der

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