Alldeutsche  Kriegsziele

um  uns  zu  sichern  und  um  England  jederzeit  in  Schach
setzen  zu  können,  Belgien  und  die  flandrische  Küste  ‚‚fest
in  der  Hand  behalten‘  müßten;  manche  verlangten  darüber
  hinaus,  daß  wir  durch  die  dauernde  Festsetzung  in
Calais  und  Boulogne  die  Ungunst  der  geographischen
Lage  Deutschlands  zum  Weltmeer  verbessern,  aus  dem
„nassen  Dreieck“  herauskommen  und  den  freien  Ausgang
zum  Kanal  und  Atlantischen  Ozean  gewinnen  müßten.
Es  waren  nicht  die  Schlechtesten  der  Nation,  die  für
solche  Ziele  sich  einsetzten;  ich  nenne  nur  den  Grafen
Zeppelin,  der  mir  einmal  sagte,  der  Krieg  sei  für  uns
verloren,  wenn  er  uns  nicht  zum  mindesten  die  belgische
und  französisch-flandrische  Küste  bis  über  Boulogne
hinaus  bringe.  Es  waren  auch  nicht  etwa  nur  die  ‚„Alldeutschen“,
  die  sich  für  so  weitgehende  Ziele  einsetzten:
unter  anderen  hat  z.  B.  Herr  Erzberger,  später  einer  der
schärfsten  Bekämpfer  der  alldeutschen  Kriegsziele,  im
September  1914  in  einer  an  die  Spitzen  der  Reichs-  und
Heeresleitung  gerichteten  Denkschrift  nicht  nur  die
Annexion  des  Erzgebietes  von  Longwy  und  Briey,  die
deutsche  Oberherrschaft  über  Belgien  und  das  französische
Küstengebiet  bis  nach  Boulogne,  sondern  auch  den  Übergang
  der  Cherbourg  vorgelagerten  normannischen  Inseln
aus  britischen  in  deutschen  Besitz  verlangt!

Auf  der  anderen  Seite  wuchs  in  dem  langen  Krieg  die
Friedenssehnsucht.  Die  pazifistische  Propaganda  fand
von  Monat  zu  Monat  einen  aufnahmefähigeren  Boden.

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