Oppositionsstimmung  der  Sozialdemokratie

nicht  die  nötige  Entschlossenheit  aufgebracht.  Statt
durch  die  Aufhebung  des  Belagerungszustandes  und  der
Zensur  dem  deutschen  Volke  Vertrauen  zu  beweisen,  dulde
man  Willkür  und  Ausschreitungen  der  Behörden.  In  der
Entwicklung  von  Recht  und  Freiheit  wie  in  der  Besserung
der  wirtschaftlichen  und  sozialen  Verhältnisse  müsse  dem
Volke  endlich  ein  weiteres  Entgegenkommen  bewiesen
werden;  da  es  die  Regierung  bisher  daran  habe  fehlen
lassen,  ergäbe  sich  für  seine  Fraktion  die  Schlußfolgerung,
den  Etat  abzulehnen.

Die  Mehrheitssozialdemokraten  haben  in  der  Folgezeit
zwar  den  Kriegskrediten  zugestimmt,  freilich  niemals
mehr  ohne  Schwanken  und  ohne  Verhandlungen;  aber  bei
der  Etatsverweigerung  sind  sie  geblieben.  Sie  haben  damit
ihre  grundsätzliche  Oppositionsstellung  wieder  scharf
unterstrichen.

Diese  Schwenkung  der  Sozialdemokratie  mußte  als
ein  ernstes  Symptom  genommen  werden,  zumal  da  bei
ihr  die  Führer  der  Mehrheitssozialdemokraten  allem
Anschein  nach  weniger  die  Führenden  als  die  von  der
Masse  ihrer  Partei  Geschobenen  waren.  Die  Wirkungen
der  Leiden  und  Entbehrungen  des  langen  und  sich  immer
weiter  verlängernden  Krieges  auf  die  breiten  Schichten
des  Volkes  äußerten  sich  in  wachsender  Verdrossenheit
und  Unzufriedenheit.  Wie  immer  in  solchen  Zeiten
fanden  sich  Leute,  die  ihren  Beruf  darin  erblickten,
unbekümmert  um  das  Wohl  des  Ganzen,  die  Mißstimmung

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