Vom  U-Bootkrieg  bis  zur  Friedensresolution

erregte,  nicht  nur  bei  den  Sozialdemokraten,  sondern
auch  bei  den  bürgerlichen  Parteien.  Besonders  stark
waren  die  Beschwerden  über  die  Handhabung  der  Schutzhaft
  und  der  Zensur.  Ich  mußte  mich  überzeugen,
daß  hier  in  der  Tat  schwere  Mißstände  vorlagen,  die
Abstellung  verlangten.  Auf  der  anderen  Seite  war  das
—  übrigens  nur  von  der  äußersten  Linken  geforderte  —
Radikalmittel  der  gänzlichen  Aufhebung  des  Belagerungszustandes
  nicht  anwendbar.  Kein  kriegführendes  Land
ist  in  diesem  Weltkrieg,  der  alle  nationalen  Kräfte  einspannte
  und  auf  alle  Gebiete  des  Lebens  übergriff,  ohne
Beschränkungen  der  persönlichen  Freiheit  und  der  politischen
  Rechte  ausgekommen.  Praktisch  in  Betracht
kamen  also  nur  Milderungen  in  der  Handhabung.  Darüber
  waren  recht  schwierige  Verhandlungen  mit  den
militärischen  Stellen  nötig,  bei  denen  so  gut  wie  ausschließlich
  die  Handhabung  des  Belagerungszustandes  lag.
Solche  Verhandlungen  waren  bereits  unter  meinen  Vorgängern
  eingeleitet  worden.  Ich  habe  mich  bemüht,  sie
zu  einem  guten  Abschluß  zu  bringen.

Schon  in  den  ersten  Tagen  nach  der  Übernahme  des
Reichsamts  des  Innern  habe  ich  mich  im  Reichstag  bereit
erklärt,  auf  einen  allmählichen  Abbau  der  Zensur  hinzuwirken.
  Ich  mußte  mich  allerdings  bald  überzeugen,
wie  schwer  es  war,  eine  halbwegs  vernünftige  Handhabung
  der  Zensur  zu  erreichen.  Bei  allen  Vorschriften
über  eine  Einschränkung  der  Gebiete,  auf  denen  die

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