Die  Frage  der  ‚Neuorientierung‘



stieß  ıch  doch  meistens  auf  ziemlich  nebelhafte  Vorstellungen.
  Der  Krieg  hatte  das  deutsche  Volk  und  das
Deutsche  Reich  nicht  im  Zustand  der  Stagnation  und
Verrottung,  sondern  im  Zustand  kräftigen  Fortschritts
auf  allen  Gebieten  des  öffentlichen  Lebens  getroffen.
Manche  Schlacken  der  Vergangenheit  hafteten  unseren
innerpolitischen  Zuständen  noch  an,  die  abgestoßen  werden
mußten.  Aber  alles  in  allem  erfreute  sich  bei  uns  der
Staatsbürger  derselben  Rechtsgarantien  für  seine  persönliche
  Freiheit  wie  der  Franzose  oder  Engländer;  wir
hatten,  wenigstens  im  Reich,  ein  freieres  Wahlrecht  als
unsere  westlichen  Nachbarn;  wir  hatten,  wenn  man
Reich,  Einzelstaaten  und  Kommunen  zusammennimmt,
ein  System  der  Besteuerung,  das  dem  französischen  an
Gerechtigkeit  weit  überlegen  war  und  dem  England  erst
kurz  vor  dem  Krieg  durch  die  Reform  seiner  Einkommenbesteuerung
  sich  angenähert  hatte;  wir  marschierten
schließlich  in  der  Sozialpolitik  unbestritten  an  der  Spitze
der  europäischen  Staaten.  Das  Deutsche  Reich  von  1914
war  ein  anderes  Gebilde  als  das  Preußen  von  1806.  Der
unklare  Vergleich  dessen,  was  da  kommen  müsse,  mit
den  Stein-Hardenbergschen  Reformen  hatte  also  keine
innere  Berechtigung.

Damit  will  ich  nicht  sagen,  daß  nicht  vieles  und
Wichtiges  in  unserem  Staatsleben  zu  bessern  gewesen
wäre,  Ein  großer  Teil  davon  lag  auf  dem  Weg  der  ruhigen
Fortentwicklung  des  bereits  Vorhandenen;  das  gilt

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