Vom  U-Bootkrieg  bis  zur  Friedensresolution

sehr  man,  trotz  aller  Bemühungen  um  eine  enge  Fühlung,
auf  Unberechenbares  gefaßt  sein  mußte.

In  meinen  Besprechungen  mit  den  Parteiführern  in  den
letzten  Junitagen  setzte  ich  mich  deshalb  für  eine  möglichst
  kurze  Tagung  unter  Ausschaltung  aller  innerpolitischen
  Streitfragen  ein.  Ich  fand  dafür  beim  Zentrum,
bei  den  Nationalliberalen  und  der  Rechten  Verständnis.
Dagegen  machten  die  Vertreter  der  Fortschrittlichen  Volkspartei
  einige  Bedenken  geltend,  ob  es  möglich  sein  werde,
sich  einfach  auf  die  Bewilligung  des  neuen  Kriegskredits
zu  beschränken.  Die  Sozialdemokraten  schließlich  erklärten
  eine  neue  gründliche  Erörterung  sowohl  der
äußeren  wie  der  inneren  Fragen  für  unerläßlich.

Was  speziell  den  Verfassungsausschuß  anlangt,  so  bestand
  bei  den  bürgerlichen  Parteien  Geneigtheit,  auf  die
Wiederaufnahme  seiner  Beratungen  während  der  Julitagung
  überhaupt  zu  verzichten.  Die  Sozialdemokraten
schufen  jedoch,  ohne  sich  mit  den  anderen  Parteien  in
Verbindung  zu  setzen,  eine  vollendete  Tatsache:  Der
Abgeordnete  Scheidemann  lud  in  seiner  Eigenschaft  als
Vorsitzender  den  Verfassungsausschuß  für  den  3.  Juli  zu
einer  Sitzung  ein,  auf  deren  Tagesordnung  er  die  verschiedenen
  Wahlrechtsanträge  setzte;  gleichzeitig  veröffentlichte
  er  die  Tatsache  der  Einberufung  mit  der  Bezeichnung
  der  Tagesordnung  im  „Vorwärts“.

Es  gelang  mir  nicht  ohne  Mühe,  am  Nachmittag  des
2.  Juli  eine  Einigung  darüber  herbeizuführen,  daß  die

104