Die  Juli-Tagung  des  Reichstags

    

Erörterung  der  einzelstaatlichen  Wahlrechte  zurückgestellt
werden  sollte  ;  dafür  konnte  ich  auf  Grund  meiner  inzwischen
mit  den  Bundesregierungen  geführten  Verhandlungen  eine
entgegenkommende  Erklärung  hinsichtlich  der  Vermehrung
  der  Mandate  der  großen  Reichstagswahlkreise  in
Aussicht  stellen.

Der  Hauptausschuß  des  Reichstags  begann  seine  Beratungen
  über  den  neuen  Kriegskredit  am  3.  Juli  mit
einer  allgemeinen  Aussprache.  Gleich  am  ersten  Tage
machte  der  Abgeordnete  Ebert  Ausführungen,  in  denen
er  unsere  Lage  schwarz  in  schwarz  malte;  er  erklärte  klipp
und  klar,  das  deutsche  Volk  sei  am  Ende  seiner  Kraft,
ein  weiterer  Winterfeldzug  sei  unmöglich,  es  müsse  jetzt
Frieden  gemacht  werden.  Er  wurde  unterstützt  von  dem
Abgeordneten  Erzberger,  der  insbesondere  den  Nachweis
zu  erbringen  versuchte,  daß  der  U-Bootkrieg  ein  Fehlschlag
  sei  und  nicht  zum  Ziele  führen  könne.  Die  leider
bekannt  gewordenen  Voraussagen  des  Admiralstabs,  daß
der  U-Bootkrieg  innerhalb  von  fünf  bis  sechs  Monaten
England  friedensbereit  machen  würde,  kamen  ihm  dabei
zu  Hilfe.

Ich  muß  hier  erwähnen,  daß  der  Abgeordnete  Erzberger
mir  bei  den  vertraulichen  Vorbesprechungen  seine  Ansichten
über  den  U-Bootkrieg  bereits  entwickelt  hatte.  Ich  hatte
dabei  die  Bemerkung  gemacht,  ich  dürfe  wohl  annehmen,
daß  er  nicht  beabsichtige,  seine  Ansichten,  die  ich  für  zu
pessimistisch  halten  müßte,  im  Hauptausschuß  oder  gar

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