Kanzlerkrisis

dem  auswärtigen  Minister  der  uns  verbündeten  Donaumonarchie
  und  ohne  Kenntnis  und  Zustimmung  der  eigenen
Regierung  eine  große  politische  Aktion  zu  unternehmen,
deren  Tragweite  zu  übersehen  er  trotz  seiner  Vielgeschäftigkeit
  gar  nicht  in  der  Lage  war;  eine  Aktion,  die  —  statt
dem  wankenden  Verbündeten  den  Rücken  zu  stärken  —
Verwirrung  in  die  eigenen  Reihen  tragen  und  die  Hoffnungen
  der  Feinde  auf  unseren  inneren  Zusammenbruch
neu  beleben  mußte.

Der  nächste  Erfolg  des  Erzbergerschen  Vorgehens,  das
alsbald  in  einem  Teil  unserer  Presse  zu  einer  großen
Sensation  aufgebauscht  wurde,  war  —  gewollt  oder  ungewollt
  —  der  Ausbruch  der  Kanzlerkrisis.  Zwar  besuchte
Herr  Erzberger  am  Nachmittag  des  6.  Juli  den  Kanzler  und
bestritt  jede  Spitze  gegen  diesen,  ja  behauptete,  eine  große
Mehrheit  auf  eine  dem  Kanzler  genehme  Friedensresolution
  vereinigen  zu  wollen.  Das  hinderte  ihn  nicht,  am  Tag
darauf  einem  führenden  nationalliberalen  Abgeordneten,
dessen  Gegnerschaft  zu  Herrn  von  Bethmann  bekannt  war,
auf  dessen  Befragen  zu  erklären,  daß  er  den  Rücktritt
Bethmanns  für  notwendig  halte,  und  mit  diesem  Abgeordneten
  sowie  einem  Offizier  aus  dem  Stabe  der
Obersten  Heeresleitung  in  mehrfachen  Zusammenkünften
zu  vereinbaren,  daß  alles  getan  werden  müsse,  um  Bethmanns
  Abdankung  zu  erzwingen.  Herr  Erzberger  sprach
dabei  die  Zuversicht  aus,  bis  zum  nächsten  Dienstag  werde
Herr  von  Bethmann  ‚‚besorgt“  sein,

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