Der  Kronrat  vom  9.  Juli

In  der  auf  den  Kronrat  folgenden  zwanglosen  Unterhaltung
  sagte  mir  der  Kaiser:

„Allen  Respekt  vor  meinem  Staatsministerium!  Jeder
einzelne  von  Ihnen  hat  seine  Sache  ausgezeichnet  vertreten.
  Aber  man  muß  mir  Zeit  lassen,  mit  mir  selbst
fertig  zu  werden.‘'

Er  fügte  hinzu,  daß  er  eine  Entscheidung  auch  nicht
wohl  treffen  könne,  ohne  in  einer  für  das  Staatsganze  und
die  Dynastie  so  wichtigen  Angelegenheit  dem  Kronprinzen
Gelegenheit  gegeben  zu  haben,  Stellung  zu  nehmen.  Der
Kronprinz  wurde  noch  in  der  Nacht  telegraphisch  aufgefordert,
  alsbald  nach  Berlin  zu  kommen.

Der  Hauptausschuß  hatte  Sonnabend  und  Montag  in
Gegenwart  des  Kanzlers  weitergetagt,  ohne  daß  über  die
Fragen  gesprochen  wurde,  die  jetzt  mit  einemmal  ganz
in  den  Vordergrund  der  Ereignisse  gerückt  waren.  Der
Kanzler  verteidigte  seine  Politik  gegen  Angriffe  von  den
verschiedenen  Seiten,  besonders  gegen  eine  starke  Offensive
  des  Abgeordneten  Dr.  Stresemann;  er  sprach  gut,
fand  aber  keine  Resonanz.  Am  Dienstag  vormittag
stellte  zu  Beginn  der  Sitzung  der  Abgeordnete  Ebert  die
Anfrage,  ob  der  Kanzler  Mitteilungen  über  das  Ergebnis
des  Kronrats  machen  könne;  als  der  Kanzler  verneinte,
beantragte  Herr  Ebert  die  Vertagung,  die  angenommen
wurde.  Meinerseits  veranlaßte  ich  die  Vertagung  des
Verfassungsausschusses,  der  an  dem  gleichen  Tage  über
die  Wahlrechtsanträge  abstimmen  sollte.

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