Die  Frage  der  Friedensresolution

der  „Friedensresolution‘‘  und  neben  ihr  die  Frage  des
Kanzlers.

Über  eine  Resolution  des  Reichstags  zur  Friedensfrage
beriet  eine  ‚‚interfraktionelle  Kommission‘,  zu  der  sich
Vertreter  der  Mehrheitssozialisten,  der  Fortschrittler  und  des
Zentrums  zusammengetan  hatten.  Die  Nationalliberalen
waren  anfangs  gleichfalls  vertreten,  schieden  dann  aber
aus,  da  sie  in  Sachen  der  Friedensresolution  sich  mit  den
anderen  Parteien  nicht  einigen  konnten.  Die  beiden  Rechtsparteien
  standen  abseits.  Auch  Vertreter  der  Reichsleitung
  wurden  nicht  zugezogen.  Die  Parteien  wollten
jetzt  selbst  die  Politik  machen.

Gleichzeitig  wurde  in  allen  Fraktionen,  die  bisher  dem
Kanzler  ihr  Vertrauen  gewährt  hatten,  gegen  Herrn  von
Bethmann  Sturm  gelaufen.  Auch  der  sonst  bei  den  Linksparteien
  nicht  gerade  beliebte  ,‚Militarismus‘‘  wurde  als
Sturmbock  benutzt:  überall  wurde  unter  Berufung  auf
„Offiziere  vom  Großen  Hauptquartier‘'  verbreitet,  daß
Hindenburg  und  Ludendorff  es  ablehnten,  mit  Bethimann
Hollweg  weiter  zusammenzuarbeiten.  Daneben  versicherte
Herr  Erzberger  mit  der  Miene  des  Eingeweihten,  daß
Bethmann  für  Friedensverhandlungen  ,‚unmöglich‘'  sei.

In  meinen  Verhandlungen  mit  den  Parteien  suchte  ich
auch  jetzt  noch  zu  verhindern,  daß  die  nach  unseren  Wahrnehmungen
  heranreifende  Friedensmöglichkeit  durch  eine
schwere  innere  Krisis  und  einen  Kanzlerwechsel  zerstört
würde.  Fast  schien  es,  als  ob  ich  damit  Erfolg  haben

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