Verschärfung  der  Kanzlerkrisis

machte  Herr  Dr.  Stresemann  etwa  folgende  Bemerkung:
  Für  die  Haltung  der  nationalliberalen  Fraktion
gegenüber  Herrn  von  Bethmann  müsse  doch  auch  die
Stellungnahme  der  Obersten  Heeresleitung  von  großer
Bedeutung  sein.  Es  könne  auf  seine  Fraktion  nicht  ohne
Eindruck  bleiben,  wenn  er  heute  genötigt  sei,  ihr  mitzutellen,
  daß  der  General  Ludendorff  entschlossen  sei,
seinen  Abschied  zu  nehmen,  wenn  Bethmann  Kanzler
bleibe.

Jetzt  sah  ich  allerdings  jede  Hoffnung  schwinden,  die
Situation  zu  halten  und  in  einer  Lage,  in  der  alles  auf
innere  Festigkeit  und  Geschlossenheit  ankam,  einen
Kanzlerwechsel  zu  vermeiden.  Zunächst  weigerte  ich
mich,  an  die  Richtigkeit  der  Information  des  Herrn
Dr.  Stresemann  zu  glauben;  im  übrigen  würde  ich  sofort
den  Kanzler  veranlassen,  sich  mit  dem  General  Ludendorff
unmittelbar  in  Verbindung  zu  setzen.

Als  ich  mich  nach  dieser  Besprechung  zum  Kanzler
begab,  erfuhr  ich,  daß  der  Kronprinz  an  demselben  Vormittag
  zu  früher  Stunde  die  Abgeordneten  Graf  Westarp,
Mertin,  Erzberger,  Dr.  Stresemann,  von  Payer  und  Dr.  David
der  Reihe  nach  empfangen  und  sie  über  die  politische
Lage  und  die  Stellung  des  Kanzlers  eingehend  befragt
habe,  ohne  sich  selbst  zu  äußern.  Die  Wahl  der  Abgeordneten
  Erzberger  und  David,  die  in  ihren  Fraktionen
in  der  vordersten  Reihe  der  Kanzlerstürzer  standen,  ließ
eine  geschickte  Regie  erkennen.  Der  Kronprinz  hatte

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