Hindenburg  und  Ludendorfi  gegen  das  Verbleiben  Betlımann  Hollwegs

Der  unheilvolle  Gegensatz,  in  den  die  beiden  Generale,  je
länger  desto  mehr,  zu  Herrn  von  Bethmann  geraten  waren,
kam  so  Im  ungeeignetsten  Augenblick  zur  Explosion.

Ohne  Kenntnis  von  diesem  Vorgang  zu  haben,  verhandelte
  ich  an  demselben  Nachmittag  im  Reichstag  über
die  „Friedenstesolution‘“.

Dort  erhielt  ich  ein  Schreiben  des  Herrn  Dr.  Stresemann,
der  mir  unter  Bezugnahme  auf  die  Unterhaltung  vom
Vormittag  mitteilte,  daß  die  nationalliberale  Fraktion  beschlossen
  habe,  durch  ihren  stellvertretenden  Vorsitzenden,
den  Prinzen  Schönaich-Carolath,  dem  Chef  des  Zivilkabinetts
  des  Kaisers  mitteilen  zu  lassen,  daß  nach  ihrer
Ansicht  eine  Lösung  der  Krisis  ohne  den  Rücktritt  des
Reichskanzlers  nicht  denkbar  sei.

Dann  wurde  mir  durch  den  Abgeordneten  Fehrenbach  mitgeteilt,
  das Zentrum  habe  seine  Stellung  von  gestern  unter der
Einwirkung  gewisser  Mitteilungen  aus  dem  Großen  Hauptquartier
  geändert  und  sich  gegen  eine  kleine  Minderheit dahin
ausgesprochen,  der  Kanzler  sei  ein  Friedenshindernis  und
müsse  gehen.  Der  Fraktionsvorsitzende  Dr.  Spahn  hatte
während  der  Sitzung  einen  schweren  Ohnmachtsanfall  erlitten
  und  mußte  in  ein  Krankenhaus  transportiert  werden.

Die  inzwischen  in  der  interfraktionellen  Fraktion  fertiggestellte
  Friedensresolution  schickte  ich  an  den  Kanzler,
der  im  Schloß  Bellevue  beim  Kaiser  zum  Vortrag  war,  mit
der  dringenden  Bitte,  sich  nicht  auf  diese  Resolution  festzulegen.



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