Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

bei  einer  mit  den  französischen  Verhältnissen  und  Personen
durch  langjährige  Tätıgkeit  in  Paris  besonders  genau  vertrauten
  deutschen  politischen  Persönlichkeit  die  Geneigtheit
  erkennen  lassen,  eine  persönliche  Aussprache  über  die
Friedensmöglichkeiten  in  der  Schweiz  zu  arrangieren.  Die
über  Ort  und  Zeit  des  Zusammentreffens  eingeleiteten  Verhandlungen
  waren  im  Gang,  als  die  Kanzlerkrisis  ausbrach.
Um  dieselbe  Zeit  war  auch  bei  maßgebenden  belgischen
Persönlichkeiten  ein  lebhaftes  Interesse  für  die  Aufnahme
einer  vertraulichen  Fühlung  über  die  Friedensmöglichkeiten
festzustellen.

Ich  habe  dem  damaligen  Führer  der  Zentrumspartei,
Herrn  Dr.  Spahn,  im  Laufe  der  Verhandlungen  über  die
Friedensresolution  und  die  Kanzlerfrage  —  soweit  ich  es
angesichts  des  mir  auf  die  Seele  gebundenen  Geheimnisses
tun  konnte  —  angedeutet,  daß  bei  einem  unserer  westlichen
  Gegner  gewisse  Zeichen  des  Einlenkens  hervorgetreten
seien,  daß  ich  aber  befürchten  müsse,  daß  durch  den  Erzbergerschen
  Vorstoß  und  die  Vorgänge,  die  sich  an  diesen
anschlossen,  sowie  durch  die  sensationelle  Behandlung
dieser  Vorgänge  in  einem  Teil  der  deutschen  Presse  diese
Friedensgeneigtheit  im  Keime  erstickt  und  der  Kriegswille
unserer  Gegner  neu  gestärkt  werden  würde.  Diese  Andeutung
  an  Herrn  Dr.  Spahn  habe  ich  einige  Tage  später
Herrn  Erzberger  auf  eine  Anfrage  schriftlich  bestätigt.

Es  unterliegt  heute  für  mich  keinem  Zweifel,  daß  bei
unseren  westlichen  Gegnern  auf die  Ablehnung  der  Anregung

146