Besprechungen  mit  Czernin

Galizien  an  Polen  zu  geben  und  sich  an  Gesamtpolen
zugunsten  Deutschlands  zu  desinteressieren,  in  der  Weise,
daß  Deutschland  berechtigt  sein  solle,  sich  Gesamtpolen
politisch,  militärisch  und  wirtschaftlich  in  jeder  uns  gut
scheinenden  Form  anzugliedern.  Dafür  sollte  Österreich-Ungarn
  in  Rumänien  die  Vorhand  haben  —  ein  Gedanke,
der  schon  bei  den  Kreuznacher  Besprechungen  im  Monat
Mai  eine  Rolle  gespielt  hatte  —,  und  außerdem  sollte  —
darauf  lag  der  Nachdruck  —  Deutschland  zugunsten  Frankreichs
  auf  Elsaß-Lothringen  verzichten.  Jedoch  müsse  eine
solche  Abmachung  in  Rücksicht  auf  die  österreichischen
Polen  vorläufig  streng  geheim  bleiben.

Sowohl  Herr  Michaelis  wie  Herr  von  Kühlmann  lehnten
dieses  quid  pro  quo  ab.  Der  Verzicht  auf  Elsaß-Lothringen
  erschien  bei  der  damaligen  militärischen  Lage  als
eine  Ungeheuerlichkeit,  für  die  kein  Anlaß  vorlag  und
die  dem  deutschen  Volk  nicht  zugemutet  werden  konnte.
Auch  die  polnische  Versuchung,  die  uns  Graf  Czernin
vorführte,  konnte  uns  nicht  beeindrucken.  Wir  alle  waren
der  Überzeugung,  daß  Polen  für  uns  in  keiner  Form  eine
wünschenswerte  Erwerbung  sein  würde.  Niemand  gelüstete
  es  danach,  im  Westen  altes  deutsches  Land  mit  einer
fast  ausschließlich  deutschen  Bevölkerung  preiszugeben,
um  dafür  im  Osten  ein  Mehrfaches  an  nichtdeutschem
Land  mit  einer  nichtdeutschen  Bevölkerung  einzutauschen.

Graf  Czernin  war  über  die  Ablehnung  seines  Vorschlags
enttäuscht.  Er  richtete  am  Schlusse  dieser  Aussprache

11*  163