Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

an  uns  die  Frage,  wie  Deutschland  sich  stellen  werde,
wenn  unsere  Feinde  uns  den  Status  quo  anbieten  sollten.
Der  Reichskanzler  erklärte  seine  Bereitwilligkeit,  alsbald
mit  jedem  feindlichen  Staate  in  Verhandlungen  einzutreten,
  der  seine  Forderungen  auf  deutsche  Gebietsteile
oder  auf  Gebietsteile  unserer  Bundesgenossen  fallen  lasse.
Graf  Czernin  nahm  von  dieser  Erklärung  Akt.

Am  Tage  der  Ankunft  des  Grafen  Czernin  in  Berlin  war
dort  das  vom  1.  August  1917  datierte  Rundschreiben  des
Papstes  Benedikt  XV.  an  die  Staatsoberhäupter  der
kriegführenden  Völker  übergeben  worden.  Das  war  offenbar
  die  Aktion,  wegen  der  Monsignore  Pacelli  schon  Ende
Juni  Herrn  von  Bethmann  sondiert  hatte.

In  diesem  Rundschreiben  richtete  der  Papst  an  ‚,‚diejenigen,
  welche  die  Geschicke  der  Nationen  in  ihren  Händen
  halten“,  unter  Berufung  auf  seine  politische  Uninteressiertheit
  eine  dringende  Mahnung  zum  Frieden.
Seine  Aufforderung  beschränkte  sich  nicht  auf  allgemeine
Wendungen;  sie  bezeichnete  vielmehr  bestimmte  Punkte,
deren  Klärung  ihm  als  notwendige  Grundlage  für  einen
gerechten  und  dauerhaften  Frieden  erschien.

Voran  stellte  er  den  Grundgedanken,  daß  an  die  Stelle
der  materiellen  Kraft  der  Waffen  die  moralische  Kraft
des  Rechtes  treten  müsse;  daraus  folge  ein  billiges  Einvernehmen
  zum  Zweck  gleichzeitiger  und  gegenseitiger
Verminderung  der  Rüstungen,  ferner  die  Einführung  einer
internationalen  Schiedsgerichtsbarkeit.  Auf  Grund  dieser

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