Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

Kanzler  wegen  der  Worte  ,‚wie  ich  sie  auffasse‘'  in  seiner
Reichstagserklärung  vom  19.  Juli  zur  Rede.  Der  Kanzler
erklärte,  daß  diese  Worte  eine  Augenblickseingebung
gewesen  seien  und  daß  es  ihm  ferngelegen  habe,  die
Loyalität  gegenüber  den  Mehrheitsparteien  zu  verletzen.

In  der  Sitzung  des  Hauptausschusses  vom  21.  August
kam  der  Kanzler  ohne  zwingenden  Anlaß  auf  diese  Angelegenheit
  zurück,  und  zwar  in  Wendungen,  die  dahin
verstanden  wurden,  er  habe  sich  niemals  vorbehaltlos
auf  den  Boden  der  Friedensresolution  des  Reichstags
gestellt  und  habe  sich  für  verpflichtet  gehalten,  dies  in
seiner  Erklärung  zum  Ausdruck  zu  bringen.  Da  er  beim
Verlesen  seiner  Erklärung  das  Gefühl  gehabt  habe,  daß
der  den  Mehrheitsparteien  mitgeteilte  Text  dies  vielleicht
nicht  genügend  erkennen  lasse,  habe  er  jene  beanstandeten
Worte  hinzugefügt.

Von  diesem  Augenblick  an  war  die  Stellung  des  neuen
Kanzlers  bei  den  Mehrheitsparteien  so  schwer  erschüttert,
daß  man  die  neue  Kanzlerkrisis  vom  22.  August  datieren
kann.  Mit  Mühe  und  Not  wurde  die  Angelegenheit  am
Nachmittag  durch  einen  Austausch  von  Erklärungen  für
den  Augenblick  zurechtgezogen.  Dagegen  fand  der  neue
Staatssekretär  des  Auswärtigen  Amts,  Herr  von  Kühlmann,
  mit  einer  sehr  geschickten  und  formgewandten
Rede  bei  den  Mehrheitsparteien  großen  Beifall.  Sein  in
Anlehnung  an  die  Papstnote  formulierter  Satz,  daß ” in
der  Politik  nicht  nur  die  Macht,  sondern  auch  das  Recht

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