Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

von  Kühlmann  im  Hauptausschuß  des  Deutschen  Reichstags,
  der  österreichisch-ungarische  Minister  des  Auswärtigen
  Graf  Czernin  in  Budapest  in  Gegenwart  des  neuernannten
  ungarischen  Ministerpräsidenten  Dr.  Wekerle
in  einer  großes  Aufsehen  erregenden  Tischrede  ein  Friedensprogramm
  entwickelte,  das  ein  uneingeschränktes  Bekenntnis
  zu  einer  neuen,  auf  internationalen  Schiedsgerichten,
Abrüstung  und  Freiheit  der  Meere  aufgebauten  Weltordnung
  und  den  erklärten  Verzicht  auf  alle  territorialen
Sicherungen  enthielt,  und  zwar  in  Formen,  die  nur  als
ein  neues  Friedensangebot  aufgefaßt  werden  konnten.

In  alldem  trat  immer  mehr  das  Fehlen  einer  klaren
Linie  in  unserer  eigenen  Politik  und  das  Abhandenkommen
der  einheitlichen  Marschroute  mit  unserem  größten  Bundesgenossen
  hervor.  Es  konnte  gar  nicht  anders  sein,  als
daß  unsere  Feinde  aus  diesen  Anzeichen  der  Unsicherheit
und  Uneinigkeit  immer  neuen  Mut  schöpften.

Darin  wurde  auch  nichts  gebessert  durch  die  Rede
über  unsere  auswärtige  Politik,  die  Herr  von  Kühlmann
acht  Tage  nach  der  Czerninschen  Kundgebung,  am  9.  Oktober
  1917,  im  Plenum  des  Deutschen  Reichstags  hielt.
Diese  Rede  war  zunächst  bemerkenswert  durch  das,  was
Herr  von  Kühlmann  nicht  sagte.  Er  sprach  mit  keinem
Wort  von  den  östlichen  Fragen;  ebensowenig  von  den
Kriegszielen  unserer  Bundesgenossen.  Scharf  pointiert
bezeichnete  er  die  elsaß-lothringische  Frage  als  das  einzige
Friedenshindernis,  und  in  dieser  Frage  rief  er  ein  stark

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