Interpellationen  im  Reichstag  am  6.  Oktober  1917

nicht,  den  Reichskanzler  zu  überzeugen,  daß  sich  die
Debatte  nicht  im  Rahmen  des  Wortlauts  der  Interpellation
  werde  halten  lassen  und  daß  sein  persönliches
Eingreifen  um  der  Sache  und  um  seiner  selbst  willen
sich  als  notwendig  herausstellen  werde.  Ich  erreichte  nur,
daß  Herr  Michaelis  zusagte,  sich  für  alle  Fälle  während
der  Sitzung  in  seinem  Arbeitszimmer  im  Reichstag  bereithalten
  zu  wollen.

Es  kam,  wie  ich  vorausgesehen  hatte.  Der  sozialdemokratische
  Abgeordnete  Landsberg  begründete  die  Interpellationen
  in  einer  langen  Rede.  Gegen  die  leitenden
Männer  der  Vaterlandspartei  richtete  er  Vorwürfe,  wie
den,  daß  sie  „sich  von  einem  Eintreten  für  Verlängerung
des  Krieges  nicht  dadurch  abhalten  lassen,  daß  der  Krieg
ihnen  materielle  Vorteile  bringt‘';  daß  sie  ungeheure
Mittel  aufwendeten,  „um  diejenige  Atmosphäre  in  Deutschland
  zu  erzeugen,  in  der  der  richtige  Kriegsgewinnler  sich
erst  wohl  fühlt‘';  er  gestatte  sich,  die,  Männer,  deren
Vermögensverhältnisse  durch  eine  Verlängerung  des  Krieges
günstig  beeinflußt  würden,  „zur  Scham  zu  rufen“;  es  gelte
diesen  Herren,  ,‚dem  Volke  die  Parteien  zu  verekeln,  die
erkannt  haben,  daß  Staat  und  Volk  eine  Einheit  bilden
müssen“.  Nach  längeren  Ausführungen  über  die  Kriegsziele
  und  über  den  Streit  um  die  Friedensresolution  des
Deutschen  Reichstags  stellte  er  die  Behauptung  auf,  daß
die  Agitation  der  Vaterlandspartei  und  ähnlicher  Gebilde
durch  die  militärischen  und  zivilen  Behörden  begünstigt

185