Stürmische  Reichstagssitzung

möge  und  müsse  er  beweisen,  daß  er  führen  wolle  und
führen  könne.

Schon  während  der  Rede  des  Abgeordneten  Landsberg
zeigte  die  Linke  eine  starke  Erregung;  mehrfach  ertönten
Rufe  nach  dem  Reichskanzler.  Während  der  Beantwortung
der  Interpellation  durch  den  Kriegsminister  von  Stein
wuchs  die  Erregung  der  Linken  zu  einem  wahren  Sturm
an.  General  von  Stein  sprach  in  seiner  kurzen,  soldatischen,
etwas  barsch  klingenden  Art.  Wiederholt  wurde  er  minutenlang
  unterbrochen.  Der  Präsident  mußte  während  seiner
kurzen  Darlegungen  das  Haus  nicht  weniger  als  achtmal
zur  Ruhe  mahnen  und  zwei  Ordnungsrufe  an  sozialdemokratische
  Zwischenrufer  erteilen.  Dabei  sagte  der  Kriegsminister
  nichts,  was  auf  eine  normale  Hörerschaft  hätte
herausfordernd  wirken  können.  Aber  der  See  raste  wieder
einmal.  Den  Höhepunkt  erreichte  die  Szene,  als  der  Kriegsminister
  von  einem  Flugblatt  sprach,  in  dem  selbst  unsere
toten  Helden  aus  dem  Deutsch-Französischen  Kriege  mit
Schmutz  beworfen  würden.  Als  er  über  einen  Zuruf,  er
solle  das  Flugblatt  vorzeigen,  mit  Achselzucken  hinwegging
  —  einfach  weil  er  das  Flugblatt  im  Augenblick  nicht
zur  Hand  hatte  —,  ertönten  aus  den  sozialdemokratischen
Reihen  Rufe:  „Er  kneift!  Er  kneift!”

Schon  gegen  Schluß  der  Rede  des  Abgeordneten  Landsberg
hatte  ich  dem  Reichskanzler  sagen  lassen,  daß  die  Notwendigkeit
  seines  persönlichen  Eintretens  vorliege.  Während
  der  Rede  des  Kriegsministers  ließ  ich  diese  Mitteilung

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