Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

durch  den  Chef  der  Reichskanzlei  wiederholen.  Aber
als  der  General  von  Stein  unter  allgemeinem  Aufruhr
seine  kurzen  Ausführungen  beendet  hatte,  war  weder
der  Reichskanzler  erschienen  noch  der  Chef  der  Reichskanzlei
  zurückgekommen.  Ich  hatte  den  Eindruck,  daß
es  ganz  unmöglich  sei,  in  dieser  Lage  durch  den  Unterstaatssekretär
  Wallraf  die  vereinbarte  Erklärung  verlesen
zu  lassen.  Wenn  der  Kanzler  nicht  kam,  mußte  sein
Stellvertreter  einspringen  und  den  allerdings  kaum  aussichtsvollen
  Versuch  machen,  der  Besinnung  wieder  zu
ihrem  Rechte  zu  verhelfen.

Ich  bat  also  an  Stelle  des  bereits  gemeldeten  Herrn
Wallraf  ums  Wort.  Noch  ehe  ich  anfıng  zu  sprechen,  wurde
ich  von  der  Linken  mit  lärmenden  Zurufen  und  mit
erneuten  Rufen  nach  dem  Reichskanzler  begrüßt.  Ich
stellte  in  Kürze  fest,  daß  der  Reichskanzler  mit  dem
Kriegsminister  und  allen  militärischen  Stellen  darüber
einig  sei,  daß  die  Politik  nicht  in  die  Armee  hineingetragen
werden  dürfe;  ich  setzte  aus  gutem  Grunde  hinzu:  ,‚von
keiner  Seite,  weder  von  rechts  noch  von  links!  Das  unterstreiche
  ich  mit  allem  Nachdruck.“  Damit  sei  der  Rahmen
für  den  Aufklärungsdienst  in  der  Armee  gegeben;  wo  die
Grenze  überschritten  werde,  sei  es  Sache  der  vorgesetzten
Stellen,  einzuschreiten;  daß  dies  geschehen  solle,  habe  der
Kriegsminister  ausdrücklich  und  bestimmt  zugesagt.  Was
die  Beamten  anlange,  so  wolle  ich  den  Begründer  der  Interpellation
  nicht  dahin  verstehen,  daß  er  beabsichtige,  den

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