Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

In  meiner  persönlichen  Angelegenheit  wurde  anerkannt,  daß
sachlich  an  meiner  Beantwortung  der  Interpellation  kaum
etwas  auszustellen  sei;  aber  es  sei  der  Ton,  der  die  Musik  -
mache.  Ich  konnte  meinerseits  nur  darauf  hinweisen,  daß  in
diesem  Fall  die  von  einem  Teil  des  Reichstags  gemachte
Musik  nicht  ganz  ohne  Einfluß  auf  meinen  Ton  habe  bleiben
können.  Der  Nachtragsetat  mit  dem  Vizekanzlerposten
wurde  schließlich  vom  Hauptausschuß  erneut  mit  allen
Stimmen  gegen  diejenigen  der  Sozialdemokraten  angenommen.
  Der  Weg  für  die  Erledigung  der  Interpellation
und  des  Nachtragsetats  im  Plenum  schien  auf  das  beste
vorbereitet.

Aber  die  Plenarverhandlung  des  folgenden  Tages
brachte  einen  neuen  unerwarteten  Zwischenfall,  der  für
die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis  verhängnisvoll
werden  sollte.

Zum  Verständnis  dieses  Zwischenfalles  muß  ich  vorausschicken,
  daß  im  Juli  oder  August  unter  den  Mannschaften
der  Hochseeflotte  eine  Verschwörung  entdeckt  worden
war,  die  darauf  hinausging,  in  einem  noch  zu  bestimmenden
  Augenblicke  durch  gemeinschaftliche  Gehorsamsverweigerung
  die  Flotte  lahmzulegen  und  dadurch  den
Frieden  zu  erzwingen.  Von  den  Rädelsführern  wurden
einige  zum  Tode  verurteilt  —  wenn  ich  mich  recht  erinnere,
  sechs,  wovon  drei  begnadigt  wurden;  andere
erhielten  schwere  Freiheitsstrafen.  Die  Untersuchung
ergab,  daß  die  Rädelsführer  dieses  Komplotts  sämtlich

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