Der  Kanzler  gegen  die  Unabhängige  Sozialdemokratie

gegen  den  Kanzler  und  den  Staatssekretär  des  Reichsmarineamts.
  Die  Erregung  wurde  dadurch  verschärft,
daß  Herr  Michaelis  die  von  ihm  im  September  über  die
Vorfälle  in  der  Marine  orientierten  Parteien  mit  keinem
Wort  davon  unterrichtet  hatte,  daß  er  im  Gegensatz  zu
der  damals  mit  ihnen  vereinbarten  Linie  die  Angelegenheit
im  Plenum  des  Reichstags  vorbringen  wolle.  Es  war
wieder  einmal  eine  unglückliche  Improvisation.  Der
Kanzler  hatte  auch  mir  gegenüber,  der  ich  noch  unmittelbar
vor  der  Sitzung  mit  ihm  über  die  Entgegnung  auf  die
zu  erwartenden  Dittmannschen  Angriffe  gesprochen  hatte,
kein  Wort  von  einer  Absicht  gesagt,  die  Marineangelegenheit
  jetzt  zu  einem  Vorstoß  gegen  die  Unabhängigen
Sozialdemokraten  zu  benutzen.  Anderenfalls  hätte  ich
ihm  dringend  abgeraten,  die  Angelegenheit  in  dieser  Form
und  überhaupt  ohne  Vereinbarung  mit  den  Parteien  über
eine  gemeinschaftliche  Stellungnahme  im  Reichstag  zur
Sprache  zu  bringen.  Auf  meine  erstaunte  Frage  über  den
Anlaß  zu  diesem  doch  offenbar  mit  dem  Staatssekretär
des  Reichsmarineamts  verabredeten  Vorstoß  antwortete
mir  der  Kanzler,  auf  dem  Wege  zu  dem  Sitzungssaale
habe  er  Herrn  von  Capelle  getroffen,  der  ihm  gesagt
habe,  der  Abgeordnete  Dittmann  werde  die  Verurteilungen
in  der  Marine  vorbringen,  da  müsse  er  doch  klaren
Wein  einschenken;  er  habe  sich  damit  einverstanden
erklärt;  seinerseits  habe  er  es  für  richtig  gehalten,  in
seiner  Erwiderung  auf  die  Dittmannsche  Rede  im

197