Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

Mehrheitssozialisten  aufrechtzuerhalten,  wer  außerdem
Bescheid  wußte  über  die  starken  Kräfte,  die  in  den  bürgerlichen
  Mehrheitsparteien  gegen  die  Kanzlerschaft  des
Herrn  Michaelis  am  Werke  waren,  der  konnte  nicht  im
Zweifel  sein,  welche  Stunde  geschlagen  hatte.

Zwar  wurde  ein  von  den  Sozialdemokraten  beider
Richtungen  beantragtes  Mißtrauensvotum  gegen  den
Kanzler  von  den  bürgerlichen  Parteien  abgelehnt,  jedoch
nur,  weil  man  einen  Kanzlersturz  in  offener  Reichstagssitzung
  zu  vermeiden  wünschte;  aber  die  bürgerlichen
Mehrheitsparteien,  einschließlich  der  Nationalliberalen,
kamen  überein,  nach  der  unmittelbar  bevorstehenden
Vertagung  des  Reichstags  Herrn  Michaelis  zu  eröffnen,
daß  er  nach ihrer  Ansicht  nicht  Kanzler  bleiben  könne.

Von  Michaelis  zu  Graf  Hertling

Im  November  sollte  der  Reichstag  zur  Bewilligung  eines
neuen  Kriegskredits  abermals  zusammentreten.  Schon  am
22.  Oktober  versammelte  sich  die  interfraktionelle  Kommission
  der  Mehrheitsparteien,  diesmal  unter  Hinzutritt
der  Nationalliberalen,  um  über  die  Kanzlerkrisis  zu  beraten.
  Am  folgenden  Tag  besuchten  die  Vertreter  der
Mehrheitsparteien  den  Chef  des  Zivilkabinetts  des  Kaisers,
Herrn  von  Valentini,  um  diesem  ihre  Auffassung  über
die  Lage  darzulegen.  Der  Rücktritt  des  Herrn  Michaelis
wurde  dabei  als  etwas  Unvermeidliches  behandelt,  Die

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