Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

auch  in  nicht  ganz  geschickter  Form  —,  gegen  diese
Wühlarbeit  aufzutreten.  Bei  aller  Loyalität,  die  ich
dem  Reichskanzler  schuldete,  konnte  ich  Herrn  von
Valentini  nicht  verhehlen,  was  ich  auch  gegenüber  dem
Kanzler  selbst  offen  ausgesprochen  hatte,  daß  auf  die
Dauer  Herr  Michaelis  als  Kanzler  nicht  zu  halten
sein  werde;  aber  ebenso  bestimmt  sprach  ich  mich  dahin
aus,  daß  Herr  Michaelis  nicht  vor  den  Triumphwagen
der  Unabhängigen  Sozialdemokraten  gespannt  werden
dürfe.  Bei  einiger  Besonnenheit  auf  seiten  der  Reichstagsparteien
  hätte  sich  ein  erträglicher  Ausweg  finden
lassen  müssen.

An  der  nötigen  Besonnenheit  aber  fehlte  es  ganz
und  gar.

Schon  zwei  Tage  nach  dem  ersten  Schritt  der  Mehrheitsparteien
  bei  Herrn  von  Valentini  erschien  dort  der  Zentrumsabgeordnete
  Trimborn  als  Beauftragter  der  Mehrheitsparteien
  von  neuem,  um  das  Erstaunen  auszusprechen,
daß  trotz  der  bei  Herrn  von  Valentini  erhobenen  Vorstellungen
  behauptet  werde,  Herr  Michaelis  solle  bleiben,
und  um  zu  fragen,  ob  und  wann  die  Mehrheitsparteien
überhaupt  eine  Antwort  zu  erwarten  hätten.  Herr  von
Valentini  zeigte  sich  seinerseits  erstaunt  über  das  Drängen;
nachdem  man  zwei  Tage  zuvor  ausdrücklich  betont  habe,
man  wolle  dem  Kaiser  die  Freiheit  der  Entschließung
lassen,  müsse  man  ihm  auch  die  Zeit  für  eine  Entschließung
gewähren.

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