Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

Herr  Haußmann  gab  sich  die  erdenklichste  Mühe,  mir
die  Unhaltbarkeit  der  Stellung  des  Herrn  Michaelis  und
die  unbedingte  Einigkeit  der  Mehrheitsparteien  und  der
Nationalliberalen  in  diesem  Punkte  klarzumachen.  Als
Reichskanzler  empfahl  er  —  damals  schon!  —  in  erster
Reihe  den  Prinzen  Max  von  Baden,  an  zweiter  Stelle
den  Staatssekretär  von  Kühlmann.  Gegen  den  Fürsten
Bülow,  für  den  von  den  Herren  Erzberger  und  Stresemann
starke  Propaganda  gemacht  werde,  seien  der  größte  Teil
des  Zentrums,  seine  eigenen  Parteifreunde  und  mit  der
größten  Entschiedenheit  die  Sozialdemokraten.

Herr  Michaelis  hielt  unterdessen  an  der  Hoffnung  fest,
daß  es  ihm  gelingen  werde,  einen  Umschwung  in  der
Stimmung  der  Parteien  herbeizuführen.  Er  rechnete  dabei
auf  die  Unterstützung  sozialdemokratischer  Gewerkschaftskreise,
  mit  denen  er  glaubte  in  guter  Fühlung  zu  stehen.

Für  Freitag,  26.  Oktober,  vormittag,  wurden  der  Vizepräsident
  des  Staatsministeriums  von  Breitenbach  und
ich  zum  Kaiser  nach  Potsdam  zum  Vortrag  befohlen.  Ich
war  auch  jetzt  noch  entschlossen,  dem  Kaiser  zu  raten,
Herrn  Michaelis  aus  dem  vorliegenden  Anlaß  nicht  zu
verabschieden,  sich  vielmehr  Zeitpunkt  und  Umstände
nach  den  Erfordernissen  der  äußeren  und  inneren  Politik
auszusuchen.

Vor  der  Fahrt  nach  Potsdam  besuchte  ich  den  Reichskanzler,
  um  diesen  von  der  Tatsache,  daß  der  Kaiser
mich  zum  Vortrag  befohlen  habe,  zu  unterrichten.  Ich

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