Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

am  Sonntag,  4.  November,  teilte  mir  der  Abgeordnete
Haußmann  mit,  diese  Wünsche,  die  auf  Grund  der
Unterhaltungen  mit  Herrn  von  Kühlmann  Gestalt  angenommen
  hätten,  müßten  im  Interesse  eines  ruhigen  Zusammenarbeitens
  von  Reichsleitung  und  Reichstag  erfüllt
werden.  Die  Fortschrittler  hätten  ursprünglich  dem  Verlangen
  nach  Ministerposten  kühl  gegenübergestanden;  als
aber  Dr.  Friedberg  nach  Kühlmanns  Erklärungen  ernstlich
als  Vizepräsident  des  Preußischen  Staatsministeriums  in
Betracht  gekommen:  sei,  und  nachdem  die  Sozialdemokraten,
  für  sich  selbst  auf  einen  Ministerposten  verzichtend,
den  Fortschrittlern  ihre  Unterstützung  für  die  Forderung
nach  einem  preußischen  Ministerposten  und  dem  Posten
des  Vizekanzlers  angeboten  hätten,  könne  die  Fortschrittliche
  Volkspartei  nicht  bei  ihrer  Zurückhaltung  bleiben;
seine  Freunde  wünschten  aber,  daß  ich  dem  Reichsdienst
erhalten  bliebe,  und  ich  müsse  helfen,  eine  Lösung  zu
finden.

Am  Montag,  5.  November,  ermächtigte  der  Kaiser  den
Grafen  Hertling,  mit  Herrn  Dr.  Friedberg  wegen  Übernahme
  des  Vizepräsidiums  des  Preußischen  Staatsministeriums
  in  Verbindung  zu  treten.  Am  Abend  des  folgenden
Tages  teilte  Graf  Hertling  in  einer  Besprechung,  an  der
die  meisten  Staatssekretäre  und  preußischen  Minister
teilnahmen,  mit,  daß  Herr  Friedberg  abgelehnt  habe,  und
zwar  weil  ihm  die  inzwischen  angemeldeten  Ansprüche
der  Mehrheitsparteien  zu  weit  zu  gehen  schienen  und  er

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