Mein  Entlassungsgesuch

und  sagte  mir,  es  falle  ihm  furchtbar  schwer,  aber  nach  reiflicher
  Überlegung  aller  Umstände  müsse  er  sich  doch  dazu
entschließen,  von  meinem  wiederholten  Anerbieten,  den
Posten  des  Vizekanzlers  freizugeben,  Gebrauch  zu  machen.
Er  müsse,  wenn  wieder  Ruhe  einkehren  solle,  den  Mehrheitsparteien
  das  Zugeständnis  machen,  den  Vizekanzlerposten
  an  Herrn  von  Payer  zu  geben.  Meine  Person
müsse  aber  dem  Reiche  erhalten  bleiben,  und  er  bitte
mich  deshalb,  alle  Bedenken  und  Empfindlichkeiten
zurückzustellen  und  das  neu  zu  schaffende  Reichsamt
für  die  besetzten  Gebiete  und  die  Friedensvorbereitungen
zu  übernehmen.

Ich  erklärte  mich  bereit  zur  sofortigen  Einreichung
meines  Abschiedsgesuchs,  das  ich  bisher  nur  auf  den
bestimmten  Wunsch  des  Grafen  Hertling  zurückgehalten
hatte,  lehnte  es  aber  ab,  ein  neues  Amt  zu  übernehmen.
Speziell  die  Vorbereitung  der  Friedensverhandlungen
müsse  angesichts  des  alle  Ressorts  umfassenden  Arbeitsbereichs
  in  den  Händen  des  Kanzlers  selbst  oder  des
Vizekanzlers  liegen;  wenn  ersterer  durch  seine  anderen
Geschäfte  an  der  Wahrnehmung  dieser  Aufgabe  verhindert
sei  und  der  Vizekanzler  wegfalle  oder  aus  anderen  Gründen
für  die  Vorbereitung  der  Friedensverhandlungen  nicht  in
Betracht  komme,  so  bliebe  nach  meiner  Ansicht  nur  übrig,
diese  Aufgabe  einer  dem  Auswärtigen  Amt  zu  attachierenden
  Stelle  zu  übertragen.  Als  ich  bei  meiner  bestimmten
Ablehnung  blieb,  bat  mich  Graf  Hertling,  als  Minister

15  Helfferich,  Weltkrieg  III  225