Volksvertretung  und  Regierung

aufzunehmen,  oder  den  Versuch  zu  machen,  durch  die
persönliche  Zusammensetzung  der  Regierung  ein  möglichst
reibungsloses  Hand-in-Hand-Arbeiten  von  Reichsleitung
und  Volksvertretung  zu  sichern.

Es  mag  sein,  daß  es  überhaupt  nicht  zum  Konflikt
gekommen  wäre,  wenn  es  Kaiser  und  Kanzler  ernstlich
auf  einen  Konflikt  hätten  ankommen  lassen.  Aber  das
Wagnis  eines  ernstlichen  Konfliktes  in  einem  Krieg,  in
dem  wir  nicht  nur  auf  die  unbedingte  Pflichterfüllung
des  Heeres,  sondern  auch  auf  die  gutwillige  Mitarbeit
aller  schaffenden  Hände  in  der  Heimat  angewiesen
waren,  erschien  zu  groß.

Man  beschritt  also  den  zweiten  Weg.

Von  Anfang  an  habe  ich  auf  das  tiefste  bedauert,
daß  sich  die  als  notwendig  erkannte  Fortbildung  unserer
verfassungsmäßigen  Zustände  in  Formen  und  unter  Begleitumständen
  vollzogen  hat,  die  unwürdig  waren  und
die  geradezu  demoralisierend  wirken  mußten.  Graf
Hertlings  Position  war  durch  den  Rückhalt,  den  er  beim
Zentrum  hatte,  stark  genug,  um  die  Möglichkeit  zu
haben,  die  Führung  bei  der  parlamentarischen  Ausgestaltung
  seiner  Regierung  in  die  eigene  Hand  zu  nehmen.
Er  hatte  es  nicht  nötig,  sich  und  die  Krone  nach  langem
Hin  und  Her  einfach  dem  Diktat  der  interfraktionellen
Kommission  zu  unterwerfen.  Aber  zur  eigenen  Führung
in  schwierigen  Lagen  reichte  die  Kraft  des  alten  Herrn
offenbar  nicht  mehr  aus.

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