Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

  

So  wurde  Entstehung,  Verlauf  und  Ende  dieser  zweiten
Kanzlerkrisis  zu  einer  schweren  Erschütterung  der  Staatsautorität,
  zu  einer  Ermutigung  der  radikalen,  ja  umstürzlerischen
  Elemente  im  eigenen  Lande  und  zu  einer
neuen  Hoffnung  für  unsere  Feinde.

Die  Anfänge  des  Grafen  Hertling

Gleichwohl  schien  der  Kanzlerschaft  des  Grafen  Hertling
in  ihren  Anfängen  ein  guter  Stern  zu  leuchten.

Innerpolitisch  war  nach  der  nahezu  restlosen  Befriedigung
  der  sachlichen  und  persönlichen  Wünsche  der  Mehrheitsparteien
  eine  Beruhigung  eingetreten.  Als  Graf
Hertling  am  29.  November  1917  zum  erstenmal  als
Reichskanzler  im  Reichstag  erschien  und  sein  mit  den
Mehrheitsparteien  vereinbartes  Programm  entwickelte,
da  hörte  er  von  allen  Seiten  freundliche  Worte.  Zwar
betonte  er,  daß  an  den  Grundlagen  der  Reichsverfassung,
die  recht  eigentlich  aus  dem  historisch  gewordenen
Charakter  des  deutschen  Volkes  und  seiner  verschiedenen
Stämme  hervorgewachsen  sei,  nichts  geändert  werden
könne  und  solle.  Aber  man  nahm  seine  Handlungen  für
gewichtiger  als  seine  Worte.  Zwar  beachtete  er  in  der
Form  die  Grenzen  der  Kompetenz  von  Reich  und  Einzelstaaten
  so  genau,  daß  er  die  preußische  Wahlreform,  die
nach  wie  vor  im  Brennpunkte  des  innerpolitischen
Interesses  stand,  überhaupt  nicht  beim  Namen  nannte,

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