Die  Kanzlerschaft  des  Herrn  Michaelis

entscheidenden  Einfluß  ausüben,  jedoch  keine  Verantwortung
  für  die  neue  Regierung  mitübernehmen  und  sich
für  alles  Weitere  die  Hände  frei  halten  wollte.  Wer  das
nicht  begriffen  hatte,  dem  wurde  es  jetzt  durch  die  Rede
des  Herrn  Scheidemann  klar  vor  Augen  geführt.  Herr
Scheidemann  war  so  gütig,  die  neue  Regierung  als  einen
„Fortschritt“  zu  bezeichnen,  mit  dem  Zusatz:  „vorausgesetzt,
  daß  sie  ihr  Programm  hält“.  Daß  die  neue
Regierung  die  erste  in  der  Hauptsache  parlamentarische
Regierung  sei,  das  sei  für  die  Sozialdemokratie  ein  Grund
gewesen,  ihr  Zustandekommen  zu  fördern.  Er  fügte
jedoch  hinzu:

„Es  wäre  aber  sehr  inkonsequent,  wenn  wir  sagen
würden,  diese  Regierung  unterstützen  wir,  mit  ihr  gehen
wir  durch  dick  und  dünn,  weil  sie  in  der  Hauptsache
eine  parlamentarische  Regierung  ist.  Gerade  im  Wesen
des  parlamentarischen  Systems  liegt  es,  daß  eine  Regierung
in  erster  Linie  aus  den  Parteien  unterstützt  wird,  aus  denen
sie  gebildet  worden  ıst,  und  erst  in  zweiter  Linie  vielleicht
auch  von  solchen  Parteien,  die  an  dem  Fortbestand  einer
solchen  Regierung  ein  sachliches  Interesse  haben,  weil  das
Regierungsprogramm  bis  zu  einem  gewissen  Grade  mit
ihren  eigenen  Wünschen  und  Auffassungen  übereinstimmt.“
Die  Sozialdemokratie  habe  nicht  die  Absicht,  der  neuen
Regierung  Opposition  um  jeden  Preis  zu  machen;  sollten
sich  aber  unüberbrückbare  Meinungsverschiedenheiten
herausstellen,  so  werde  sie  die  Regierung  entschieden

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