Der  Ost-Friede

helfen,  deren  Beschlüsse  sie  als  Ausübung  des  Selbstbestimmungsrechts
  der  Bewohner  jener  Gebiete  anzusehen
gewillt  war.

Man  mag  diese  von  unserer  Regierung  befolgte  Politik
hinsichtlich  der  russischen  Randstaaten“  für  richtig  oder
für  falsch  halten,  —  falsch  war  es  auf  jeden  Fall,  in  die
Friedensverhandlungen  mit  Rußland  hineinzugehen,  ohne
daß  vorher  wenigstens  mit  unserem  österreichisch-ungarischen
  Bundesgenossen  eine  nochmalige  Aussprache  stattgefunden
  hatte  und  mit  ihm  eine  klare  Einigung  über  die
in  den  Verhandlungen  einzunehmende  Haltung  erzielt  war.

Auch  zwischen  dem  Kanzler  und  dem  Staatssekretär
des  Auswärtigen  Amtes  auf  der  einen  Seite,  der  Obersten
Heeresleitung  auf  der  anderen  Seite  war,  als  am  17.  Dezember
  die  Besprechung  im  Reichskanzlerpalais  stattfand,
ein  festes  Einverständnis  über  die  Linie,  die  bei  den  Verhandlungen
  über  den  Ostfrieden  innegehalten  werden
sollte,  noch  nicht  vorhanden.  Kanzler  und  Staatssekretär
reisten  am  Abend  desselben  Tages  nach  dem  Großen
Hauptquartier,  um  dort,  unmittelbar  vor  der  Abreise  des
Herrn  von  Kühlmann  nach  Brest-Litowsk,  noch  einmal
die  wichtigsten  Fragen  zu  besprechen.  Ich  habe  späterhin
nicht  den  Eindruck  gewonnen,  daß  in  jener  letzten  Aussprache
  vor  den  Verhandlungen  die  nötige  Klarheit  und
Einigkeit  herbeigeführt  worden  wäre.

Der  Dualismus  der  Auffassungen  und  Ziele,  der  hier
fortbestand,  kam  schon  in  einer  Besonderheit  unserer

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