Erste  Phase  der  Verhandlungen

In  seiner  Eröffnungsansprache  führte  Herr  von  Kühlmann
  u.a.  aus:

„Unsere  Verhandlungen  werden  erfüllt  sein  von  dem
Geist  versöhnlicher  Menschenfreundlichkeit  und  gegenseitiger
  Achtung.  Sie  müssen  Rechnung  tragen  einerseits
dem  historisch  Gegebenen  und  Gewordenen,  um  nicht  den
festen  Boden  der  Tatsachen  unter  den  Füßen  zu  verlieren,
andererseits  aber  auch  getragen  sein  von  jenen  neuen
und  großen  Leitgedanken,  auf  deren  Boden  die  hier  Versammelten
  zusammentreffen.“

Mit  dem  Hinweis  auf  das  „historisch  Gegebene  und  Gewordene
  waren  die  Vorbehalte  angedeutet,  die  unsere
Unterhändler  in  der  Frage  des  Selbstbebestimmungsrechts
  der  Nationalitäten  machen  mußten,  sobald  die
praktische  Anwendung  dieses  Prinzips  in  Frage  kam.

Schon  in  jener  ersten  Sitzung  entwickelte  die  russische
Delegation  ihr  Programm.  Sie  schlug  vor,  folgende  sechs
Punkte  den  Verhandlungen  zugrundezulegen:

1.  Keine  gewaltsame  Angliederung  von  eroberten  Gebieten;
  die  Truppen  werden  die  von  ihnen  besetzten
Gebiete  alsbald  räumen.

2.  Volle  Wiederherstellung  der  politischen  Selbständigkeit
  der  Völker,  die  ihre  Selbständigkeit  im  Kriege  verloren
  haben.

3.  Den  nationalen  Gruppen,  die  vor  dem  Kriege  keine
politische  Selbständigkeit  besaßen,  wird  die  Möglichkeit

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