Der  Ost-Friede

eine  scharfe  Beleuchtung  erfahren.  Immerhin  war  die
Verhandlung  bis  zu  dem  am  28.  Dezember  gefaßten
Vertagungsbeschluß  in  guten  Formen  geführt  worden.

In  Petersburg  dagegen  schlug  man  sofort  eine  andere
Tonart  an.  Durch  die  offiziöse  Petersburger  Telegraphenagentur
  wurde  über  die  Sitzung  vom  28.  Dezember  ein
Bericht  verbreitet,  der  dem  Vorsitzenden  der  russischen
Delegation  im  Wege  freier  Erfindung  die  schärfsten  Worte
der  Kritik  und  des  Protestes  gegen  die  Kühlmannsche
Formulierung  in  den  Mund  legte,  in  der  Absicht,  die  deutsche
Vertretung  eines  illoyalen  und  unanständigen  Vorgehens
zu  beschuldigen.  Außerdem  ließ  die  Petersburger  Regierung
  eine  wahre  Flut  von  Funksprüchen  und  Aufrufen
los,  die  gröbliche  Beschimpfungen  der  deutschen  Heerführer
  und  Heereseinrichtungen  sowie  Aufforderungen
revolutionären  Charakters  an  die  deutschen  Truppen  und
Arbeitermassen  enthielten.

Der  schon  bei  Beginn  der  Waffenstillstandsverhandlungen
  durch  das  Verhalten  der  russischen  Delegation  und,
mehr  noch,  der  russischen  Regierung  entstandene  Verdacht,
  daß  es  den  führenden  Männern  des  bolschewistischen
Rußland  in  erster  Linie  auf  die  Propaganda  für  die  Revolutionierung
  der  breiten  Massen  und  der  Armeen  der
anderen  kriegführenden  Länder  ankomme,  wurde  jetzt
zur  unabweisbaren  Gewißheit.  Wenn  irgend  etwas  diese
Gewißheit  weiter  verstärken  konnte,  so  war  es  der  am
2.  Januar  1918,  zwei  Tage  vor  dem  für  den  Wiederbeginn

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