Der  Ost-Friede

unserem  Lande  stehe  und  uns  die  Bedingungen  diktieren
könne;  die  Tatsachen  lägen  umgekehrt.  Die  russische
Delegation  fordere  für  die  besetzten  Gebiete  die  Anwendung
  eines  Selbstbestimmungsrechts,  wie  sie  es  im
eigenen    Lande  nicht  anwende.  Die  russische  Regierung
sei  lediglich  begründet  auf  Gewalt,  die  rücksichtslos
jeden  Andersdenkenden  unterdrücke.  Die  deutsche  Oberste
Heeresleitung  müsse  eine  Einmischung  in  die  Angelegenheiten
  der  besetzten  Gebiete  ablehnen.  Für  uns  hätten
deren  Völker  ihrem  Wunsch  der  Lostrennung  von  Rußland
bereits  klar  und  unzweideutig  Ausdruck  gegeben.

Am  nächsten  Tag  versuchte  Herr  von  Kühlmann  auf
Grund  einer  Verständigung  mit  dem  Grafen  Czernin,  der
nichts  mehr  fürchtete  als  den  Abbruch,  die  Verhandlungen
wieder  in  ein  ruhigeres  Geleise  zu  bringen.  Er  lehnte
zwar  namens  der  deutschen  und  der  österreichischungarischen
  Delegation  die  russischen  Vorschläge  als  unannehmbar
  ab,  machte  jedoch  Gegenvorschläge,  die  dem
russischen  Standpunkt  immerhin  entgegenkamen.  Vor
allem  stellte  die  neue  Formulierung  fest,  daß  Deutschland
und  Österreich-Ungarn  nicht  die  Absicht  hätten,  sich  die
jetzt  von  ihnen  besetzten  Gebiete  einzuverleiben  oder  sie
zur  Annahme  einer  bestimmten  Staatsform  zu  zwingen;
allerdings  müßten  sie  für  sich  und  die  Völker  jener
Gebiete  freie  Hand  für  den  Abschluß  von  Verträgen  aller
Art  behalten.  Die  Zurückziehung  der  Truppen  sei  zwar,
solange  der  Weltkrieg  andauere,  unmöglich;  aber  die

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