Neue  Vorschläge  Deutschlands

Verminderung  der  Truppen  auf  eine  für  die  Aufrechterhaltung
  der  Ordnung  und  die  Weiterführung  der  technischen
  Betriebe  nötige  Zahl  könne  angestrebt  werden.
Außerdem  wurde  zugestanden,  daß  den  gewählten  Vertretern
  der  Bevölkerung  der  besetzten  Gebiete  mit  fortschreitender
  Annäherung  an  den  allgemeinen  Frieden  in
steigendem  Umfang  die  Mitwirkung  an  den  Verwaltungsaufgaben
  eingeräumt  werden,  sowie  daß  ein  „Volksvotum
auf  breiter  Grundlage  die  Beschlüsse  über  die  staatliche
Zugehörigkeit  der  Bevölkerung  der  besetzten  Gebiete  sanktionieren
  solle.  —  Diese  Vorschläge  wurden  als  der  äußerste
Rahmen  für  eine  friedliche  Verständigung  bezeichnet.
Die  Verhandlungen  waren  mit  diesen  Vorschlägen  auf
einem  toten  Punkt  angekommen.  Graf  Czernin  hätte  unsere
Vertretung  gern  zu  weitergehenden  Zugeständnissen  gedrängt,
  dies  um  so  mehr,  als  es  ihm,  wie  er  selbst  bekannt
hat,  „im  allgemeinen  und  speziell  auch  wegen  Polens
durchaus  erwünscht  gewesen  wäre,  die  Territorialfragen
auf  Grund  des  vollständigen  Selbstbestimmungsrechts
zu  lösen“.  Er  wurde  jedoch  an  der  Ausübung  eines  stärkeren
  Druckes  auf  Deutschland  durch  den  Ausbruch  einer
akuten  Ernährungskrisis  in  Österreich  verhindert,  die  ihn
zwang,  von  Deutschland  eine  Ausfuhr  an  Lebensmitteln
zur  Errettung  Wiens  vor  einer  Hungerkatastrophe  zu  erbitten.
  ‚‚Unter  diesen  Verhältnissen,‘‘  so  hat  Graf  Czernin
  ausgeführt,  „konnte  in  diesem  Zeitpunkt  den  deutschen
  Unterhändlern  gegenüber  der  Gedanke  nicht  mehr

                                                                                                                  277