Spannung  zwischen  politischer  und  Heeresleitung

sich  bis  zur  Nachricht  von  dem  Entlassungsgesuch  des
Generals  Ludendorff  verdichteten.  Der  Verlauf,  den  die
Verhandlungen  in  Brest  nach  dem  Eintreffen  Trotzkis
nahmen,  entsprach  in  keiner  Weise  den  Wünschen  der
Obersten  Heeresleitung,  die  wegen  der  Notwendigkeit,
für  die  Frühjahrsoperationen  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz
  ihre  Dispositionen  zu  treffen,  auf  eine  rasche
Entscheidung  drängte  und  in  der  Trotzkischen  Verhandlungsmethode
  nur  den  Versuch  der  Verschleppung  und  der
revolutionären  Propaganda  erblickte.

Am  Sonntag,  13.  Januar,  am  Tag  nach  der  Hoffmannschen
  Erklärung  in  Brest,  besuchte  mich  in  der  Frühe  vor
neun  Uhr  unangesagt  der  Kronprinz,  der  —  ebenso  wie
Hindenburg  und  Ludendorff  —  in  Berlin  eingetroffen
war.  Er  wollte offen  und  ungeschminkt  meine  Meinung
über  Herrn  von  Kühlmann  hören,  dem  von  der  Obersten
Heeresleitung  die  schwersten  Vorwürfe  wegen  seiner  Verhandlungsleitung
  gemacht  würden.  Ich  legte  dem  Kronprinzen
  die  außerordentlichen  Schwierigkeiten  dar,  unter
denen  Kühlmann  zu  verhandeln  hatte  und  die  meines  Erachtens
  von  der  Obersten  Heeresleitung  nicht  in  vollem
Umfang  erkannt  und  gewürdigt  würden.  Kühlmann  habe
im  Kampf  mit  einem  so  gerissenen,  skrupellosen  und  zielbewußten
  Gegner  wie  Trotzki  stets  auch  unsere  Bundesgenossen
  und  unsere  eigene  innere  Lage  im  Auge  zu  behalten.
  Ich  machte  kein  Hehl  daraus,  daß  nach  meiner
Ansicht  der  Kardinalfehler  darin  liege,  daß  wir  in  diese

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