Der  Ost-Friede

unserer  Bundesgenossen  als  erste  Voraussetzung  jeder
Verhandlung  unbedingt  annehme,  erkläre  damit,  daß
sie  nicht  den  Frieden,  sondern  den  Krieg  wünsche.
Die  ukrainische  Delegation  kam  bei  den  weiteren  Verhandlungen
  auf  den  Wunsch  einer  Angliederung  österreichischer
  Gebiete  nicht  zurück,  bestand  aber  auf  der  Angliederung
  des  größtenteils  von  Ukrainern  bewohnten
Gouvernements  Cholm  und  auf  besonderen  Sicherungen
für  die  nationalen  und  politischen  Rechte  der  ukrainischen
Bevölkerung  des  österreichischen  Staatsgebietes.  Graf
Czernin  lehnte  zwar  anfangs  jede  Einmischung  in  die
inneren  Verhältnisse  der  Monarchie  ab,  zeigte  auch  Neigung,
  das  Cholmer  Gouvernement  für  das  künftige  Polen
zu  beanspruchen,  gab  aber  dann  in  beiden  Punkten  nach.
Ausschlaggebend  war  offenbar  für  ihn  die  Hoffnung,  durch
einen  raschen  Friedensschluß  mit  der  Ukraine  der  schwierigen
  Ernährungslage  Österreichs  wirksam  abhelfen  zu
können.  Dieser  Gesichtspunkt  war  für  ihn  so  wichtig,
daß  er  um  seinetwillen  die  sicher  zu  erwartende  tödliche
Feindschaft  der  in  Österreich  so  einflußreichen  Polen  in
Kauf  nahm.

Hinsichtlich  des  Gouvernements  Cholm  begnügte  er
sich  mit  der  Kautel,  daß  die  Grenze  zwischen  der  Ukraine
und  Polen  im  einzelnen  nach  den  ethnographischen
Verhältnissen  und  unter  Berücksichtigung  der  Wünsche
der  Bevölkerung  durch  eine  gemischte  Kommission
festgesetzt  werden  solle,

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