Die  Wünsche  der  Ukrainer



Hinsichtlich  der  ostgalizischen  Frage  schlug  Graf
Czernin  eine  Deklaration  vor,  nach  der  Österreich  der
innerhalb  seiner  Grenzen  wohnenden  ukrainischen  Bevölkerung
  und  die  Ukraine  den  in  ihren  Grenzen  bleibenden
  polnischen  Minoritäten  die  freie  nationale  und
kulturelle  Entwicklung  gewährleisteten.  Er  fügte  hinzu,  daß
er  sich  diese  Gewährleistung  so  denke,  daß  die  Ukrainer
Ostgaliziens  eine  eigene  Provinz  innerhalb  Österreichs
bilden  würden.

Auf  dieser  Grundlage  kam  die  Einigung  zustande.  Die
Vereinbarung  über  die  Gewährung  der  Autonomie  an  die
österreichischen  Ükrainer  sollte  in  Rücksicht  auf  den  zu  erwartenden
  heftigen  Widerstand  der  galizischen  Polen  einstweilen
  geheimgehalten  werden;  sie  wurde  deshalb  auch
nicht  in  den  öffentlichen  Friedensvertrag  aufgenommen.
Außerdem  wurde  dieses  Zugeständnis  an  einige  wichtige
Bedingungen  gebunden,  vor  allem  an  das  Zustandekommen
des  Friedensvertrages  innerhalb  einer  kurzbemessenen
Frist  und  an  die  Lieferung  von  mindestens  einer  Million
Tonnen  Getreide  durch  die  Ukraine  bis  zum  I.  August
1918.  Das  Wort  ‚„Brotfriede‘‘,  das  Graf  Czernin  später
für  den  Frieden  mit  der  Ukraine  prägte,  war  bezeichnend;
denn  soweit  Österreich  in  Betracht  kam,  ging  dieser
Friede  in  der  Tat  nach  Brot.

Im  übrigen  war  für  den  Friedensvertrag  mit  der  Ukraine,
namentlich  für  seinen  wirtschaftlichen  und  seinen  rechtlichen
  Teil,  in  den  Kommissionsverhandlungen  über  den

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