„Atempause‘

Lenins,  auf  jede  Bedingung  hin  einzulenken,  nicht  in
der  Absicht,  zu  einem  dauernden  Frieden  zu  kommen,
sondern  um,  wie  Lenin  selbst  sich  ausdrückte,  eine
„Atempause‘“  zu  gewinnen.

Auch  der  schärfste  Gegner  der  Bolschewisten  kann  der
Politik  der  Lenin  und  Trotzki  starkes  Zielbewußtsein,  zähe
Tatkraft  und  verschlagene  Gewandtheit  nicht  absprechen.
Inmitten  des  katastrophalen  russischen  Zusammenbruchs
vermochten  sie  in  den  Verhandlungen  mit  den  militärisch
siegreichen  Gegnern  sich  zunächst  die  Initiative  zu  sichern.
Sie  vermochten  ihr  Programm  zur  Grundlage  der  Brester
Verhandlungen  zu  machen  und  damit  ihre  siegreichen
Gegner  von  vornherein  in  eine  Verteidigungsstellung  zu
zwingen.  Ja,  sie  fanden  die  Kraft  zu  einer  aggressiven
Bedrohung  des  Rückens  ihrer  Verhandlungsgegner,  indem
sie  deren  Völker  zum  Kampf  gegen  deren  Staats-  und
Gesellschaftsordnung  aufriefen  und  indem  sie  den  Versuch
machten,  den  Krieg  zwischen  den  Völkern  durch  den
Klassenkampf  des  internationalen  Proletariats  gegen  den
„Kapitalismus“  zu  beendigen.  Wenn  auch  dieser  kühne
Versuch  im  Augenblick  durch  den  Gegenzug  des  Friedensschlusses
  mit  der  Ukraine  und  unser  entschlossenes  militärısches
  Vorgehen  durchkreuzt  wurde,  so  war  dieser
Versuch  doch  keineswegs  vereitelt.  Er  wurde  vielmehr
auch  während  der  ‚„Atempause‘‘  mit  Zähigkeit  und  in
stiller  Arbeit  weitergeführt;  die  Ereignisse  seit  dem
November  1918  haben  gezeigt,  mit  welchem  Erfolg.

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