Österreichisch-ungarische  Sonderinitiative

Litowsk,  aufderen  Verhinderung  es  der  deutschen  Regierung
angeblich  ankam,  außerhalb  des  Bereiches  der  Möglichkeit
lag.  Die  Frage  der  rumänischen  Dynastie  und  der  rumänischen
  Regierung  wurde  von  der  deutschen  Regierung
lediglich  von  dem  sachlichen  Gesichtspunkte  aus  behandelt,
ob  eine  aufrichtige  Verständigung  und  ein  dauernder
Friede  mit  Rumänien  unter  der  schwer  kompromittierten
Dynastie  und  der  verräterischen,  von  Grund  aus  deutschfeindlichen
  Regierung  der  Bratianu  und  Take  Jonescu
überhaupt  möglich  sei.  Die  österreichisch-ungarische
Politik  hatte  es  um  so  weniger  nötig,  deutsche  Verschleppungsabsichten
  zu  durchkreuzen,  als  —  wie  Graf
Czernin  feststellt  —  die  deutsche  Oberste  Heeresleitung  ın
Rücksicht  auf  ihre  geplante  Offensive  auf  dem  westlichen
  Kriegsschauplatz  auf  einen  raschen  Abschluß  mit  Rumänien
  drängte.  Die  wirklichen  Motive  der  österreichischungarischen
  ‚Initiative‘  bei  König  Ferdinand  mögen
einmal  in  gewissen  dynastischen  Erwägungen  bestanden
  haben;  man  sprach  damals  von  der  Befürchtung,
daß  die  Absetzung  des  rumänischen  Königs  eine  weitere
Erschütterung  des  monarchischen  Gedankens  zur  Folge
haben  und  nicht  ohne  Rückwirkung  auf  die  Stellung  der
Dynastien  in  den  Mittelmächten  bleiben  werde.  Ferner
mag  mitgespielt  haben  die  alte  Eifersucht  Österreich-Ungarns
  auf  Deutschlands  Position  in  Rumänien,  die
durch  eine  neue  Regierung  einer  ausgesprochen  deutschfreundlichen
  Gruppe  und  durch  die  Einsetzung  einer

301