Der  Ost-Friede

Vor  allem  aber  litten  die  Bukarester  Verhandlungen
unter  dem  gleichen  Fehler,  der  vor  dem  Beginn  der  Verhandlungen
  mit  Rußland  gemacht  worden  war:  es  war  auch
hier  versäumt  worden,  vor  dem  Eintritt  in  die  Verhandlungen
  mit  Rumänien  eine  Einigung  mit  unseren  Verbündeten
  herbeizuführen.  Die  Folge  war,  daß  die  Bukarester
Verhandlungen  auf  das  schwerste  beeinträchtigt  wurden
durch  die  unausgeglichen  gebliebenen  starken  Interessenkonflikte
  zwischen  den  Bundesgenossen.  Insbesondere
die  bulgarisch-türkischen  Differenzen  spitzten  sich  in  einer
für  den  Bestand  des  Bündnisses  geradezu  gefährlichen
Weise  zu.  Die  Lage  wurde  dadurch  verschärft,  daß  auch
hier  zwischen  unserer  politischen  Leitung  und  der  Obersten
Heeresleitung  keine  Übereinstimmung  bestand;  die  Oberste
Heeresleitung  trat  für  eine  sehr  weitgehende  Unterstützung
der  türkischen  Wünsche  auf  Herausgabe  bulgarischen
Gebiets  gegen  Überlassung  der  Dobrudscha  an  Bulgarien
ein,  während  das  Auswärtige  Amt  der  Überzeugung  war,
daß  der  von  der  Obersten  Heeresleitung  gewünschte  Druck
auf  Bulgarien  den  Rücktritt  des  Ministeriums  Radoslawow
und  seine  Ersetzung  durch  ein  deutschfeindliches  Kabinett,
damit  die  unmittelbare  Gefahr  eines  Ausscheidens  Bulgariens
aus  dem  Vierbund  zur  Folge  haben  werde.  Diese  Gefahr
wurde  dadurch  erhöht,  daß  die  Oberste  Heeresleitung
auch  in  anderen  Punkten  die  Überlassung  der  Dobrudscha
an  Bulgarien  an  Bedingungen  knüpfen  wollte,  gegen  die
sich  ın  Bulgarien  eine  starke  Opposition  regte.  Auf  der

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