Neue  Meinungsverschiedenheiten

anderen  Seite  wollten  die  Bulgaren  die  Lage  benutzen,
um  sich  von  der  Rückzahlungspflicht  für  die  von  uns
gewährten  sehr  erheblichen  Vorschüsse  ganz  oder  wenigstens
  zu  einem  großen  Teil  zu  befreien.  In  diesem  Punkt
entstanden  Meinungsverschiedenheiten  zwischen  dem  Auswärtigen
  Amt,  dem  Reichsschatzamt  und  der  Obersten
Heeresleitung.

Die  Lage  hatte  sich  gegen  Ostern  so  stark  verwirrt  und
verschärft,  daß  Herr  von  Kühlmann,  um  eine  Klärung
zu  versuchen,  nach  Berlin  zurückreiste  und  die  Ankunft
des  bulgarischen  Finanzministers  Tontschew  ankündigte,
der  von  seiner  Regierung  beauftragt  wurde,  in  Berlin  in
direkter  Verhandlung  mit  der  Reichsregierung  eine  Verständigung
  herbeizuführen.

Zu  meiner  Überraschung  übertrug  mir  der  Reichskanzler
am  Östersamstag,  30.  März,  auf  Antrag  des  Staatssekretärs
von  Kühlmann  schriftlich  die  Leitung  der  Verhandlungen
mit  dem  bulgarischen  Bevollmächtigten,  dessen  Eintreffen
bereits  für  die  nächsten  Tage  erwartet  wurde.  Ich  begab
mich  alsbald  zum  Kanzler  und  erklärte  ihm  zunächst,
diesen  Auftrag  nicht  übernehmen  zu  können,  da  ich  in
die  mit  Bulgarien  streitigen  Fragen  nur  teilweise  eingeweiht
sei.  Der  Kanzler  bestand  darauf,  daß  ich  mich  nicht
versagen  dürfe,  zumal  da  die  maßgebenden  Männer  der
bulgarischen  Regierung,  denen  ich  von  früheren  Verhand-Jungen
  her  bekannt  war,  auf  meine  Person  ein  besonderes
Vertrauen  setzten  und  eine  durch  mich  herbeigeführte

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