Oberste  Heeresleitung  und  Auswärtiges  Amt

Erfahrung  war  in  solchen  Lagen  die  unmittelbare  Aussprache
  der  einzige  Weg  zur  Einigung;  mit  mehr  oder
weniger  gereizten  Telegrammen  verhandelte  man  sich  nur
immer  weiter  auseinander.  Man  stimmte  mir  zu;  aber
weder  der  Kanzler,  der  ohnedies  im  Lauf  der  folgenden
Woche  nach  Spa  reisen  wollte,  noch  auch  Herr  von  Kühlmann
  zeigten  Neigung,  ihrerseits  die  notwendige  Besprechung
  mit  den  Herren  von  der  Obersten  Heeresleitung
zu  führen;  Herr  von  Kühlmann  meinte  resigniert,
wenn  er  einen  Vorschlag  mache,  sei  dies  für  die  andere
Seite  schon  ein  genügender  Grund  zur  Ablehnung.  Unter
diesen  Umständen  bestand  der  Kanzler  darauf,  daß  ich  zu
Hindenburg  und  Ludendorff  reisen  und  eine  Einigung
versuchen  solle.

Dieser  Vorgang  beleuchtete  mir  grell  die  Unhaltbarkeit
der  Verhältnisse  in  unserer  politischen  Leitung:  Wır  hatten
in  der  schwersten  Zeit  unserer  Geschichte  einen  Kanzler,
der  zum  mindesten  körperlich  seinem  Amte  in  keiner
Weise  mehr  gewachsen  war  und  der  geistig  jedenfalls
nicht  mehr  die  Spannkraft  besaß,  schwierige  Fragen  aufzunehmen
  und  durchzukämpfen.  Wir  hatten  einen  Staatssekretär
  des  Auswärtigen,  der  resigniert  den  Kampf  mit
der  Obersten  Heeresleitung  für  die  von  ıhm  für  richtig
gehaltene  Politik  aufgegeben  hatte.  Die  taktisch  geschickte
Behandlung  der  Reichstagsparteien,  in  der  Graf  Hertling
Meister  geblieben  war,  und  Kühlmanns  wiederholte  Bekenntnisse
  zu  den  Ideen  der  Reichstagsmehrheit  täuschten  die

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