Der  Ost-Friede

deutsche  Öffentlichkeit  über  diesen  unmöglichen  Zustand
hinweg;  ja  ich  habe  aus  den  Kreisen  unserer  Volksvertreter
mitunter  die  lobende  Feststellung  gehört,  daß  unter  dem
Grafen  Hertling  die  unter  Herrn  von  Bethmann  nie
aufhörenden  ärgerlichen  Reibereien  mit  der  Obersten
Heeresleitung  glücklicherweise  ein  Ende  gefunden  hätten,
und  daß  jetzt  eine  erfreuliche  Harmonie  zwischen  den  drei
großen  politischen  Faktoren,  Reichsleitung,  Reichstag  und
Oberster  Heeresleitung  bestehe!  Diese  ‚Harmonie‘  bestand
nur  auf  der  Oberfläche,  und  auch  da  nur  um  einen  allzu
hohen  Preis.

Ich  kam  im  Großen  Hauptquartier  mit  Hindenburg  und
Ludendorff  zu  einer  nach  meiner  Ansicht  sowohl  für
Bulgarien,  wie  für  die  Türkei  und  auch  für  uns  erträglichen
Einigung.  Aber  der  Mangel  an  Einheitlichkeit  in  unserer
Politik  hatte  bei  den  Bulgaren  und  bei  den  Türken  Hoffnungen
  geweckt,  die  miteinander  schlechthin  unausgleichbar
  waren;  und  in  dem  wochenlangen  Hin-  und  Herzerren
hatten  sich  beide  Teile  so  sehr  auf  ihre  Forderungen  festgerannt,
  daß  der  Vermittlungsversuch  jetzt  auf  beiden
Seiten  eine  starke  Unnachgiebigkeit  fand.  Zwar  konnte
unser  Gesandter  in  Sofia  berichten,  daß  die  Darlegungen
des  Herrn  Tontschew  über  seine  Berliner  Verhandlungen
ım  bulgarischen  Ministerrat  eine  gewisse  Entspannung  der
Lage  herbeigeführt  hätten;  aber  ın  Rücksicht  auf  die
erregte  öffentliche  Meinung  lehnten  schließlich  Herr  Radoslawow
  und  sein  Kabinett  in  der  mit  den  Türken  streitigen

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