Die  Frage  der  Randstaaten

die  Ostseeküsten  englisch  oder  amerikanisch  besetzt.  Erst
wenn  man  sich  diesen  Zustand  des  allgemeinen  Drängens
der  menschlichen  Energie  an  den  Platz  der  ausgeschalteten
  Energie  ganz  verdeutlicht  hat,  dann  wird  man
ohne  Rücksicht  auf  Parteistandpunkte,  die  unter  uns
vertreten  sind,  den  Boden  einer  reellen  Zustimmung
gegenüber  dem  Frieden  bekommen  können,  der  hier
geschieht.  Wir  verwahren  uns  gegen  diejenigen  Meinungen,
  als  ob  wir  etwa  bloß  aus  beliebiger  Annexionslust
  alldeutscher  Färbung  zur  Aneignung  von  Land
übergegangen  sind,  nur  weil  es  uns  so  gefällt  und  weil  es
der  Machttradition  entspricht.  Nein,  diese  Organisationsaufgabe,
  die  heute  drüben  vor  uns  liegt,  wird  als  unentrinnbare
  Entwicklung  später  auch  von  den  Russen  instinktiv
begriffen  werden.“

Auch  die  Sozialdemokraten  stellten  sich  bei  aller  Kritik
der  bei  den  Brester  Verhandlungen  angewandten  Methoden
und  der  im  Birester  Friedensvertrag  vereinbarten  Abmachungen
  über  die  Randstaaten  nicht  auf  den  Standpunkt,
  daß  Deutschland  sich  an  der  künftigen  Gestaltung
der  Randstaaten  völlig  hätte  desinteressieren  können.

Allerdings  ist  es  richtig,  daß  die  deutsche  Politik  schon
vor  der  russischen  Revolution  und  der  durch  diese  herbeigeführten
  Sprengung  des  Russischen  Reiches  auf  eine  aktive
Anteilnahme  an  der  künftigen  Gestaltung  der  im  Laufe
des  Krieges  von  unseren  Truppen  besetzten  westrussischen
Randgebiete  gerichtet  war.  Schon  am  5.  April  1916  hatte

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