Die  Frage  der  Randstaaten

      

eintraten,  zu  einem  für  uns  besonders  wichtigen  Teil,  aber
immerhin  zu  einem  Teil  des  weit  größeren  Problems
geworden,  wie  sich  die  deutsche  Politik  zu  verhalten  habe
zu  dem  Auseinanderfallen  Rußlands,  zu  den  Kräften  und
Strömungen,  die  in  dem  Chaos  des  russischen  Zusammenbruchs
  zutage  traten,  zu  den  neuen  Gebilden,  die  sich  auf
den  Trümmern  des  alten  Russischen  Reiches  zu  formen
begannen.

Die  Lage  war  äußerst  schwierig  und  verwickelt.  Nicht
nur,  daß  die  Entwicklung  der  Dinge  in  Rußland  selbst
undurchsichtig  und  unübersehbar  war,  daß  die  Nachrichten
über  die  tatsächlichen  Vorgänge  und  die  Urteile  über  die
für  die  weitere  Gestaltung  bestimmenden  Kräfte  auseinandergingen
  und  sich  in  den  wichtigsten  Punkten  widersprachen,
  —  auch  unsere  eigenen  Interessen  an  den  russischen
  Fragen  waren  vielgestaltig  und  schwer  auf  eine
einheitliche  Linie  zu  bringen.

Das  dringende  Gebot,  das  sich  aus  der  Fortdauer  des
Krieges  gegen  unsere  westlichen  Feinde  ergab,  war  die
möglichst  ausgiebige  militärische  Entlastung  im  Osten
und  die  möglichst  wirksame  wirtschaftliche  Hilfe  aus
dem  Osten.  Eine  über  den  Krieg  hinausdenkende  Politik
  mußte  auf  die  künftige  Sicherung  unserer  Ostgrenzen
und  gleichzeitig  auf  ein  politisch  und  wirtschaftlich  gutes
Verhältnis  zu  Rußland  oder  den  an  seiner  Stelle  entstehenden
  Gebilden  Bedacht  nehmen;  in  welchem  Maße,
darüber  gingen  die  Meinungen  allerdings  erheblich

327