Vergewaltigung  Hollands

und  auf  hoher  See  befindlichen  holländischen  Schiffe  sowie
mit  einer  Sperrung  der  Zufuhr  von  Lebensmitteln  für  die
niederländische  Bevölkerung.

Die  niederländische  Regierung  zeigte  sich  zunächst  entschlossen,
  sich  diesem  Zwang  nicht  zu  fügen.  Die  Knappheit
  von  Brotgetreide  und  die  dadurch  bedingte  Abhängigkeit
  von  auswärtigen  Zufuhren  erschwerten  ihr  jedoch  ihre
Stellung  im  höchsten  Maße.  Sie  wandte  sich  an  die  deutsche
Regierung  mit  der  Anfrage,  ob  Deutschland  in  der  Lage
und  bereit  sei,  mit  Getreide  auszuhelfen.  Die  Zusage  von
100  000  Tonnen  Getreide  hätte  damals  genügt,  um  Holland
das  Durchhalten  gegenüber  dem  Druck  der  Alliierten  zu
ermöglichen.  Zwar  wären  auch  in  diesem  Fall  die  in  den
feindlichen  Häfen  liegenden  und  die  auf  hoher  See  schwimmenden
  holländischen  Schiffe  in  der  Gewalt  der  Alliierten
gewesen;  aber  die  300  000  Bruttotonnen  Schiffsraum,  die
ın  den  Niederlanden  selbst  lagen,  wären  unseren  Feinden
vorenthalten  worden.  Die  Ioo  000  Tonnen  Getreide,  die
Holland  als  Rückendeckung  von  uns  verlangte,  hätten
für  unsere  Bevölkerung,  verteilt  auf  die  nahezu  fünf
Monate  bis  zur  neuen  Ernte,  etwa  ro  g  auf  den  Kopf  und
Tag  ausgemacht.  Gewiß  angesichts  der  ohnehin  schmalen
Kopfrate  eine  empfindliche  Einschränkung.  Aber  auf  der
anderen  Seite  stand  die  Möglichkeit,  unseren  Feinden  in
jener  entscheidenden  Zeit  den  Schiffsraum  vorzuenthalten,
dessen  Wichtigkeit,  ja  Unentbehrlichkeit  sie  gerade
durch  ihr  brutales  Vorgehen  gegen  die  Niederlande

395