Neue  innere  Krisen

Neue  innere  Krisen

Im  Juni  1918,  gleich  nach  der  Offensive  vom  Damenwege
biszur  Marne,  veröffentlichtedie  ‚Kreuzzeitung“  einigeL.H.
gezeichnete  Artikel,  in  denen  zur  Unterstützung  der  militärischen
  Operationen  von  der  deutschen  politischen
Leitung  eine  „Friedensoffensive‘“  gefordert  wurde.  Die
Artikel  erregten  erhebliches  Aufsehen  schon  deshalb,  weil
sie  in  einem  Blatte  erschienen,  das  bisher  sich  ın  scharfer
Kampfstellung  gegen  jede  Art  von  Friedensaktionen  und
Friedensangeboten  befunden  hatte,  Die  Redaktion  der
„Kreuzzeitung‘  betonte  allerdings,  daß  die  Artikel  nicht
redaktionellen  Ursprungs  seien,  aber  sie  unterstrich  damit
nur,  daßsie  von  einer  auch  für  die  „Kreuzzeitung‘  und  ihren
Kreis  hochangesehenen  Seite  herrührten.  Das  Aufsehen
wurde  gesteigert  durch  einen  schweren  Angriff,  den  die
„Kölnische  Zeitung‘  gegen  die  ‚Lethargie““  der  politischen
Leitung  richtete,  die  auf  dem  diplomatischen  Kampffelde
  die  Initiative  nach  wie  vor  den  Feinden  überlasse.

Ich  hatte  am  17.  Juni  zufällig  Gelegenheit  zu  einer
Unterhaltung  mit  einem  der  Obersten  Heeresleitung
nahestehenden  höheren  Offizier.  Ganz  im  Sinne  der
Kreuzzeitungsartikel  setzte  mir  dieser  auseinander,  die
politische  Ausnutzung  unserer  militärischen  Erfolge  sei
gleich  Null;  wir  würden  den  Krieg  nie  beendigen,  geschweige
  denn  gewinnen  können,  wenn  in  diesem  unmöglichen
  Zustand  nicht  Wandel  geschaffen  werde.  Die

s7  MHelfferich,  Weltkrieg  III  417